25.04.-01.06.2024

Pandora lacht

Danielle de Picciotto

Vernissage zum GALLERY WEEKEND BERLIN
Donnerstag, 25.04. 18:00-21:00 | 19:00 Offizielle Einführung

Sonderöffnungszeiten zum GALLERY WEEKEND BERLIN
Freitag, 26.04. 14:00-19:00
Samstag, 27.04. 12:00-19:00
Sonntag, 28.04. 12:00-17:00

Geboren in den USA, zog Danielle de Picciotto 1987 nach Kreuzberg und entdeckte im prä-Mauerfall West-Berlin ihre Sympathie zu dessen pulsierender Clubszene und der kreativen Welt zwischen Nachtleben, besetzten Häusern und subversiver Kunst. Durch Aktionen wie 1989 die Initiierung der ersten Berliner Love Parade zusammen mit Dr. Motte und 1996 die Gründung des Ocean Club mit Gudrun Gut gehört sie zu den prägenden Figuren der Berliner Club- und Musikszene nach dem Boom der Neuen Deutschen Welle. 

 

Die Werkschau „Pandora lacht“ ist Danielle de Picciotto als Malerin und Zeichnerin gewidmet. Die Bildende Kunst ist ein eigenständiges Medium im interdisziplinären Werk der international erfolgreichen Musikerin, Performancekünstlerin, Filmemacherin und Texterin, lässt sich jedoch wie die anderen Genres auch vollständig nur im Gesamtzusammenhang verstehen. Neben Zeichnungen und Gemälden aus verschiedenen Schaffensphasen sind deshalb der Stummfilm „Crossroads“ (2017) sowie Originalblätter eines ihrer Graphic Novels, „We are Gypsies Now“ (2013), Teil der Ausstellung. Beide geben Einblicke in ihr Leben als Nomadin seit 2010 bis Beginn der Corona-Pandemie. 

 

Besonders die Arbeit aus dem Prozess heraus, das Experiment mit Überlagerungen von Material und Ebenen wie auch die Liebe zum Erzählen sind charakteristisch für das künstlerische Werk von Danielle de Picciotto. Eine leitende Inspirationsquelle ist ihre Neugier für die Regionen zwischen den inneren und äußeren Rändern der kollektiven Psyche. Wer ist das Individuum „Ich“ und wer macht es zu dem, was es ist, was ICH bin: familiäre Erwartungen, kulturelle Regeln, gesellschaftliche und moralische Tabus? Und: Gewinnt diese Frage an Brisanz, wenn sie aus dem Mund einer Frau gesprochen wird? 

 

Seit den 2000er Jahren verbindet de Picciotto ihre detailreichen Tintenzeichnungen in Schwarz-Weiß vermehrt mit farbenprächtiger surrealistischer Malerei. Schichten werden Geschichten und Zwischenwelten. Die Ergebnisse erinnern auf der einen Seite an die u.a. von psychedelischer Musik, Comic und Anime inspirierte und jenseits der etablierten Galerien- und Museumsszene entstandene Bildkultur des Pop Surrealismus. Auf der anderen Seite zeigen sie in ihrem unterschwelligen Humor, dem Spiel mit magischen Vorstellungen, Mischwesen und Tieren Verwandtschaften zu Werken von Surrealistinnen wie Leonora Carrington. 

 

De Picciottos Referenzen zu weiblichen Figuren aus Märchen und Mythen sowie Zitate symbolisch erotisch aufgeladener Dinge wie Kronen, Schleier, Dolche, Blumen, Vögel und Käfige stellen ihre Werke in den Kontext von Debatten über weibliche Identität und die Gewalt von Rollenbildern, behalten jedoch durch den Fokus auf individuelle Themen wie Sehnsüchte, Zweifel und Fantasien ihre Eigenständigkeit. — Pandora lacht und ihr Lachen ist Rebellion. 

 

Über die Künstlerin 

Die Werke von Danielle de Picciotto werden international ausgestellt, darunter die Staatsgalerie Stuttgart, IMOCA Indianapolis Museum of Modern Art, London Museum of Art, ACMI Museum, Melbourne, Film Museum Frankfurt a.M., Institut de Cultura, Barcelona und Centre Pompidou, Malaga. Für das Deutsche Auswärtige Amt produzierte sie mit ihren animierten Zeichnungen mehrere Filme. 2003 wurde sie mit dem Poetic Lens Award für ihr poetisches Video „Awake“ in Eugene, Oregon, USA ausgezeichnet. 2019 tourte sie als Spoken Word Solo Künstlerin, vertreten durch das Goethe Institut, durch Nord Amerika. Sie hat drei Filmdokumentationen produziert: „neubauten.org, Die Tour 2004“, „How Long is Now“ und „The Art of Lary 7“ sowie den Stummfilm „Crossroads“. Im Rahmen von Musikproduktionen und Bühnenshows arbeitet Danielle de Picciotto seit 2001 mit Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten) zusammen. Sie sind seitdem weltweit mit ihrer Band hackedepicciotto unterwegs und seit 2006 verheiratet. Seit 1990 hat die Künstlerin insgesamt 16 Alben aufgenommen u.a. mit Mick Harvey (Nick Cave & The Bad Seeds), Monika Werkstatt, Gudrun Gut und Crime & The City Solution.

03.08.-04.09.2024

Shadow Flowers

Letizia Werth

Letizia Werth, feinart berlin, Berlin, Shadow Flowers, Zeichnung, Tusche, Malerei, Bilder, Ausstellung

12.09.-24.10.2024

S A T U R N A L I A

Conor Walton

**Vernissage zur BERLIN ART WEEK**
Donnerstag, 12.09. 18:00-21:00

Die Saturnalien, das laut Überlieferung populärste Fest im antiken Rom, stehen bis heute für Ausgelassenheit, Überfluss, die ausgeübte Lust am ganzen Reich des Sinnlichen und das Aussetzen von Standesgrenzen (die Sklaven wurden als Ebenbürtige behandelt). Benannt nach dem Austragungsort, dem Tempel des Gottes Saturn, waren sie zugleich ein Ritual zu Ehren dieses Gottes der Saat und Ernte und dem Vater des mythischen Goldenen Zeitalters. Drei Gründe führen von hier zu dem Titel „SATURNALIA“ für eine Ausstellung mit Gemälden von Conor Walton, einem der führenden zeitgenössischen Maler Irlands von internationalem Renommee: die allegorische Phantasie, der Realismus der Sinnlichkeit, die Provokation des Absurden.

Allegorische Phantasie. Conor Walton studierte neben der Bildenden Kunst Kunstgeschichte mit einem Master-Abschluss an der University of Essex und verfügt über ein immenses Wissen der Motiv- und Ideengeschichte. Folgt man den Figuren und Szenen seiner oft großformatigen allegorischen Ölgemälde wie im Titelbild der Ausstellung „Allegory of Wisdom“ (2023) und ihren Bezügen zu mythologischen weit in die Geschichte der Kunst hineinreichenden Ideen, eröffnet jedes von ihnen eine Welt reich an Phantasie und Wissen.

Realismus der Sinnlichkeit. Die „Bread & Butter Paintings“ von Walton zeigen einzelne Lebensmittel wie Butterstücke, Weintrauben, Kürbisse, Brotlaiber und Schokoladentafeln. Die meisterlich realistische Darstellung dieser Stillleben erzählt von einer Liebe zu diesen vermeintlich unbedeutenden Gegenständen, ihren Farben und sinnlichen Formen. Jedoch: eine Romantisierung der Dinge gewährt der Maler nicht, denn er setzt immer wieder auch die Alufolien und Plastiktüten ästhetisch in Szene, die diese Dinge im Zeitalter von Konservierung und Kunststoffen bekleiden.

Provokation des Absurden. Seit er Kinder hat, integriert Walton Spielzeuge in seine Bilder: Batman, Superman, T-Rex, mittelalterliche Ritter, Zoos von Tieren aus unterschiedlichsten Regionen, Damen im höfischen Gewand und viele andere mehr. Wo sie auftauchen, scheint eine fremde Spezies mit uns vertrauten Bildern ihr Spiel zu treiben und damit die Welt zu ironisieren, die wir Realität nennen. Wenn Walton in „Keeping Things in Perspective“ (2015) neben eine altmeisterliche Komposition aus Birne und Weintraube einen Spielzeug-Dinosaurier und einen Spielzeug-Astronauten stellt, dann lässt er die Geschichte unseres Planeten auf einer Tischplatte zusammentreffen.

„Ich bin ein figurativer Maler in der europäischen Tradition und versuche, mein Handwerk auf höchstem Niveau zu halten, indem ich die Farbe benutze, um Fragen nach Wahrheit, Bedeutung und Wert zu erforschen. Alle meine Bilder sind der Versuch einer Antwort auf die drei Fragen im Titel von Gauguins berühmtem Gemälde: Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?“ (Conor Walton)


Über den Künstler

1970 in Irland geboren erhielt Conor Walton seine Ausbildung am National College of Art and Design in Dublin und bei Charles Cecil in Florenz, Italien. Er hat einen Master-Abschluss in Kunstgeschichte und -theorie (mit Auszeichnung) an der University of Essex. Als Dozent unterrichtete er an der National Gallery of Ireland, dem University College Dublin, der Royal Hibernian Academy, dem Laguna College of Art and Design und dem New Museum, Los Gatos und war Residenz Artist an der California Lutheran University. Er hat an der TRAC (The Representational Art Conference) sowohl als aktiver Künstler wie auch als Gastredner teilgenommen. Zu den Einzelausstellungen von Walton gehören Museumsausstellungen wie zum Beispiel in der National Portrait Gallery (London), im MEAM (Barcelona), in der National Gallery of Ireland, in der Scottish National Portrait Gallery, im American University Museum (Washington DC) und im WMOCA (Wisconsin). Der Maler hat zahlreiche Auszeichnungen für sein Werk erhalten, darunter den Gino De Agrò International Award (2022), den Ismail Lulani International Award (2019), ModPortrait 2017, Arc Salon 2014/15 (Stillleben), Portrait Ireland 2005 und den „Lorenzo il Magnifico“ International Award (1999). 

Conor Walton lebt und arbeitet in Wicklow, Irland.