Zurückliegende Ausstellungen

Renee Poetzscher, feinart berlin, aino nebel, lunagramm, mond

18.08. - 29.09.2022

irden und licht

Objekte und Photographie von Aino Nebel & Renée Pötzscher

"Keramik und Photographie scheint nichts miteinander zu verbinden. Aino Nebel schafft aus dem Brennofen heraus poetische Skulpturen. Renée Pötzscher überlässt die Belichtung ihrer Motive dem kontrollierten Zufall. Beide Künstlerinnen denken bildhauerisch – schöpfen irdene Gebilde aus der Materie und bannen das Licht in ätherischen Formen. irden und licht. Das Geheimnis der Verbindung bewegt sich zwischen Himmel und Erde." (Silke Tobeler, Gastkuratorin der Ausstellung)


Aino Nebel. Die Objekte der 1972 in Berlin geborenen Bildhauerin (Bild oben) entstehen aus der Verbindung von mineralischen Werkstoffen wie Ton, Gips, Glas und Porzellan mit organischen, vergänglichen und fragilen Materialien wie Blüten, Früchten, Papier oder Zucker. Das Brennen im Ofen lässt aus Prozessen des Weichwerdens, Verbrennens, der Kristallisation und Härtung originäre Skulpturen hervortreten, die manchmal wie Gefäße, manchmal wie natürliche Formationen anmuten, jedoch im Hinblick auf Form und Oberflächenstruktur zu bizarr und eigensinnig sind, um sich einordnen zu lassen. Die Ausstellung zeigt auch eine Auswahl von Zeichnungen, die weitere Einblicke in die Werkstatt der Künstlerin geben.

Renée Pötzscher. Ein Herzstück im Oeuvre der 1945 in Österreich geborenen Photographin und Videokünstlerin sind Mond und Mondlicht, die sie als Inspiration und Ausdrucksträger für ihre Auseinandersetzung mit weiblicher Identität, eigenem Körper, Bild und Abbild des Weiblichen sowie Selbstinszenierungen nutzt. In ihren Arbeiten fungieren das Licht und sein Konterfei, das Dunkel bzw. die Nacht, als Chiasmus aus Medium und Inhalt. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl ihrer Mondbelichtungen und -photographien, ihrer Luminogramme (experimentelle Arbeiten mit künstlichem Licht) und Selbstbildnisse. Den photographischen Werken sind freie Zeichnungen und Tagebucheinträge zur Seite gestellt.

Beide Künstlerinnen verfügen über einen vielfältigen wie umfangreichen Fundus an Papierarbeiten. Mit Tusche, Tinte, Kreide, Pigment und Bleistift gefertigt, geben diese oft seriellen Arbeiten Einblicke in die Auseinandersetzung mit Linie, Farbe, Schraffur und der Responsibilität des sensiblen Materials Papier.
Für Renée Pötzscher hat die künstlerische Arbeit auf dem Papier eine Bedeutung, die mit dem Tagebuchschreiben vergleichbar ist: der Akt des Zeichnens als In-sich-Gehen, als Nachspüren der eigenen Stimmung und Aufzeichnen kreativer Energien, die in der Gesamtkomposition ihren Sinn finden. Oft mit schwarzer oder rotbrauner Tinte auf unberührtem Grund, lassen die Zeichnungen an Schriftzeichen denken, intuitiven Kalligraphien ähnlich.
Aino Nebel beschäftigt sich in der Zeichnung mit ähnlichen Fragen wie bei der bildhauerischen Arbeit: wie wird man den Eigenheiten von Materialien in ihren Wechselwirkungen gerecht? Wie dem Papier und seiner Reaktion auf beispielsweise Tee, Öl oder die Bleistiftmiene? Was drückt ein Strich im Vorbeigehen aus, was einer, der mit dem Lineal gezogen ist? Und: wie entsteht Räumlichkeit in einem kleinen Format?

Finissage
Donnerstag 29.09., 17:00 - 21:00

>> Künstlerinnengespräch zur Ausstellung auf YouTube

Renee Poetzscher, feinart berlin, aino nebel, lunagramm, mond

18.08. - 29.09.2022

irden und licht

Objekte und Photographie von Aino Nebel & Renée Pötzscher

"Keramik und Photographie scheint nichts miteinander zu verbinden. Aino Nebel schafft aus dem Brennofen heraus poetische Skulpturen. Renée Pötzscher überlässt die Belichtung ihrer Motive dem kontrollierten Zufall. Beide Künstlerinnen denken bildhauerisch – schöpfen irdene Gebilde aus der Materie und bannen das Licht in ätherischen Formen. irden und licht. Das Geheimnis der Verbindung bewegt sich zwischen Himmel und Erde." (Silke Tobeler, Gastkuratorin der Ausstellung)

Renée Pötzscher. Ein Herzstück im Oeuvre der 1945 in Österreich geborenen Photographin und Videokünstlerin sind Mond und Mondlicht, die sie als Inspiration und Ausdrucksträger für ihre Auseinandersetzung mit weiblicher Identität, eigenem Körper, Bild und Abbild des Weiblichen sowie Selbstinszenierungen nutzt. In ihren Arbeiten fungieren das Licht und sein Konterfei, das Dunkel bzw. die Nacht, als Chiasmus aus Medium und Inhalt. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl ihrer Mondbelichtungen und -photographien, ihrer Luminogramme (experimentelle Arbeiten mit künstlichem Licht, siehe Bild oben) und Selbstbildnisse. Den photographischen Werken sind freie Zeichnungen und Tagebucheinträge zur Seite gestellt.


Aino Nebel. Die Objekte der 1972 in Berlin geborenen Bildhauerin (Bild oben) entstehen aus der Verbindung von mineralischen Werkstoffen wie Ton, Gips, Glas und Porzellan mit organischen, vergänglichen und fragilen Materialien wie Blüten, Früchten, Papier oder Zucker. Das Brennen im Ofen lässt aus Prozessen des Weichwerdens, Verbrennens, der Kristallisation und Härtung originäre Skulpturen hervortreten, die manchmal wie Gefäße, manchmal wie natürliche Formationen anmuten, jedoch im Hinblick auf Form und Oberflächenstruktur zu bizarr und eigensinnig sind, um sich einordnen zu lassen. Die Ausstellung zeigt auch eine Auswahl von Zeichnungen, die weitere Einblicke in die Werkstatt der Künstlerin geben.

Vernissage
Donnerstag, 18.08. 17:00 - 21:00  | 19:00 Künstlerinnengespräch unter Moderation von Silke Tobeler und Maria Wirth
Lesung
Samstag, 03.09. 19:00 Autor und Schauspieler Mathias Kopetzki liest aus seinem Roman „Teheran im Bauch“

30.06. - 11.08.2022

women things

Christian Wewerka

Podiumsdiskussion
Freitag, 05.08. 19:00 | Jens Pepper, Dilyana Gibelin und Christian Wewerka sprechen über erotische Photographie, die Darstellung weiblicher Nacktheit, Fetisch und Gewalt 


Die Photographien von Christian Wewerka (*1961), denen die Ausstellung gewidmet ist, sind erotische Inszenierungen von jungen Frauen: mal still beobachtend, mal sinnlich, mal provozierend, immer direkt und ohne jede Berührungsangst vor Klischees. Seit 2019 arbeitet der Photograph mit der szenischen Konfrontation seiner weiblichen, nicht oder nur sparsam bekleideten Modelle mit signifikanten Gegenständen: einem antiken Möbel, einem Kaffeegedeck, einem Kuschelbären oder einem Federkopfschmuck aus dem Varieté. Vergleichbar mit Theater oder Film wird für jedes Shooting eine Rahmensituation gestaltet, in der Wewerka dann gemeinsam mit dem Model ausdrucksvolle Szenen entwickelt. Dieser szenische Ansatz, der eine arrangierte Situation zur Bühne für die spontane Kommunikation zwischen Model und Photograph macht, steht im Fokus der Ausstellung. Die Inspiration für diese Strategie der photographischen Regie nimmt Christian Wewerka aus der Schauspielpraxis. Seine eigene Karriere als Schauspieler und Sprecher begann Anfang der 1980er Jahre an Berliner OFF-Theatern unter Einfluss von namhaften nationalen und internationalen Lehrerinnen und Lehrern wie Geraldine Baron und Keith Johnstone. Durch die Art der Lichtführung und eine gezielt sparsame Farb- und Formkomposition erhalten Wewerkas Photographien einen malerischen Charakter. Die reduzierte Gestaltung der Bildräume erinnert hier und da an Lost Places: Orte im Nirgendwo, Orte, die aus der Zeit gefallen sind — vielleicht wie einige Phantasien, die sich in ihnen finden lassen. In den Bildern liegt eine eigentümliche Spannung aus Intimität und gleichzeitiger Entrücktheit des weiblichen Körpers. Was sie an erotischem Reiz und der Provokation von Nacktheit mitbringen, wird durch Wewerkas Blick für die Innerlichkeit der Protagonistinnen gemildert. Nicht selten verwischen sich so die Grenzen zwischen Stärke und Verletzlichkeit, Echtheit und Spiel, Devotie und Stolz.

12.05. - 23.06.2022

Jürgen Tenz

Blausaftapparat und Propellerengel

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// Bis 25.06.2022 finden Sie Jürgen Tenz auch im CSR Contemporary Show Room, Friedrichstraße 69, 10117 Berlin | Öffnungszeiten: Mo-Sa 10:00-20:00 //

1942 in Berlin-Siemensstadt geboren, steht Jürgen Tenz als Zeitgenosse der sogenannten Trümmerkinder-Jahrgänge für eine Künstlergeneration, die vom Zweiten Weltkrieg an Deutschland in den Höhen und Tiefen bedeutender gesellschaftsgeschichtlicher Wandlungen miterlebt hat: nach der zehrenden Nachkriegszeit die Wirtschaftswunderjahre, die Teilung Deutschlands in Ost und West, Kalter Krieg, Mauerbau und Wiedervereinigung. Im Dezember 2021 verstorben, hat sich der von der Gebrauchsgraphik und wissenschaftlichen Zeichnung kommende Künstler Tenz zeitlebens mit der Rolle des Menschen in der Gesellschaft und den Konflikten beschäftigt, die zwischen beiden Ebenen bestehen. Ob wir in seinen Werken auf singuläre Figuren, Figurenszenen oder Massen kleiner Körper treffen, die, stürzend, fließend, neue große Gebilde formen — überall scheint etwas oder jemand auf dem Spiel zu stehen, ja, ein Prozess oder eine Transformation in Gang gekommen zu sein.

Die Vielfalt an Genres und Stilistik, die Tenz‘ Oeuvre versammelt, spiegelt wider, wie sich der Künstler immer neuen Fragen stellte und wie er auch für klassische Themen neue Formulierungen suchte. Die Ausstellung kann in dieses umfassende Lebenswerk nur einzelne Einblicke geben. Dennoch zeigt die Auswahl aus Federzeichnung und Gouache (1970er Jahre), Hochdruck (1990er), Malerei und Collage (1997-2014) sowie Radierung (2006-2019) seine Mehrschichtigkeit und Unabhängigkeit.

Was alle Werke verbindet, ist die Entscheidung zur gegenständlichen Darstellung, ob fein meisterlich ausgearbeitet oder durch Reduktion und Abstraktion aus den Angeln der Realität gehoben, ob im konzentrierten Schwarz-Weiß der Graphik oder in der Farbigkeit expressiver Malerei. Die Auseinandersetzung mit antiker Mythologie wie auch das Spiel mit Kunstgeschichte, Mechanik, Gesellschaftspolitik und der Ästhetik des Tanzes erzählen von einem großen Wissensschatz und Wissensdurst des Künstlers. Nicht zuletzt in diesem Punkt repräsentiert sein Werk in äußerst aktueller Weise die fortschreitende Komplexität und Prozessualität des 20. und 21. Jahrhunderts.

24.03. - 05.05.2022

Faces of life

Manfred Carpentier - Michael Dressel - Dieter Matthes

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Mit Manfred Carpentier, Michael Dressel und Dieter Matthes treffen in der Ausstellung drei Persönlichkeiten aufeinander, die auch privat im freundschaftlichen Verhältnis zueinander stehen. Ihre Photographien verbindet das Interesse am Menschen, insbesondere an Menschen in den Großstädten dieser Erde. Was sie unterscheidet, ist, wie sie uns die Welt in ihren Bildern wahrnehmen lassen. Ihre photographischen Konzepte umfassen ein breites Spektrum zwischen Innerlichkeit, Street Photography bis hin zu einem Entwurf von Mensch&Stadtraum als ein künstlerisches Gebilde.

Von 2010 bis 2018 leitete Manfred Carpentier, 1954 in Gerolstein (Eifel) geboren, die Carpentier Galerie, raum für kunst in Berlin-Charlottenburg mit Schwerpunkt auf Berliner Photographen und berlin-spezifische Themen. Die Galerie war ein wichtiger Knotenpunkt für die Photographie-Szene in dieser Stadt und darüber hinaus. Carpentiers eigene photographische Arbeit umfasst Genres wie Landschaft, Stillleben, Akt und Portrait. In seiner Serie„Selfies“ macht er sich selbst zum Model. Die expressiven Portraits, die per Fernauslöser entstehen, erscheinen wie Stills einer kompromisslosen Selbstbefragung. Vor schwarzem Hintergrund fächern sich Gesichter in mehrere Identitäten auf. Die Portraits erscheinen, folgt man ihren Titeln, wie Studien menschlicher Zustände: „Ahnen“, „Schreien“, „Staunen“ — und immer die Frage: wer bin ich? Die Antwort löst Carpentier in Fragmente einer Bewegung auf, fast, als würde sich der Photograph selbst mit seiner Kamera sezieren. Er ist allein, keine zweite Person im Raum. Ich und ich. Durch das Übereinanderlegen mehrerer Ergebnisse eines Shootings entstehen Bilder, die an den Maler Francis Bacon denken lassen. In seiner „Expressionismus“-Serie interpretiert Manfred Carpentier Texte der deutschen Dichter Jakob von Hoddis und August Stramm. Seine Photomontagen wirken ähnlich zerstückelt und irritierend wie ihre expressionistischen Gedichte. Sie bestehen aus Motiven von Open Source Bildern aus dem Web und eigenen Photographien. In diesem „Eklektizismus“ frei im Internet fluktuierender Bilder und eigener Photographien kehrt das Fragmentarische der „Selfies“ wieder. In beiden Serien verbirgt sich so auch eine Referenz auf die Überkomplexität des Digitalzeitalters mit seinen unüberschaubar vielen Angeboten an Identitäten und „Images“. Und es geht auch um Kritik: „täglich schwirren“, so Carpentier, „Milliarden Selfies durch die von allem Sozialen sterilisierten Netze, mit dem Ergebnis einer weltumspannenden, psychosozialen Verwahrlosung“.

Michael Dressel tauchte bereits mehrmals und in letzter Zeit verdichtet im Brennpunkt auf (zuletzt no. 1/2022). Im November 2021 erschien sein Fotobuch „Los(t) Angeles“ verbunden mit einer Ausstellung im Schloss Rheinsberg (bis 15. Mai 2022). Im Juni 2022 werden seine Photographien in einer „Hollywood“-Ausstellung in der Helmut Newton Foundation zu sehen sein. Diese wachsende öffentliche Präsenz ist eine längst fällige Antwort auf eine besondere deutsch-amerikanische Künstlerbiographie und den Weg eines unverwechselbaren Street Photographers. 1958 in Ost-Berlin geboren, Bühnenbildner, beim Fluchtversuch über die Mauer verhaftet und zwei Jahre in einem Stasi-Gefängnis inhaftiert, fand Michael Dressel im Alter von 27 Jahren seinen Weg nach Los Angeles. Die Stadt wurde zu seiner zweiten Heimat. Über Jahre, in denen er als Sound Editor in zahlreichen renommierten Hollywood-Filmen arbeitete, photographierte er die Menschen auf den Straßen der Stadt: skurril anmutende Erscheinungen, zum Teil obdachlose, verwirrte und aggressive Menschen. Michael Dressels Ansatz sind die besondere Empathie und Augenhöhe, die er den Protagonist*innen seiner Aufnahmen entgegenbringt. Eine schwer einzuordnende Spannung zwischen Verunsicherung, ja, Befremdung und gleichzeitig das Gefühl, diesen Menschen am Rande der Gesellschaft doch nahe zu sein, ihre Würde zu erkennen — dies macht die Faszination seiner Arbeiten aus. Sie lassen bei aller Tabulosigkeit im Aufzeichnen von Armut, Verfall und gesellschaftlicher Marginalisierung doch noch etwas ganz anderes aufleuchten: etwas uns alle Verbindendes. Im Interview mit F. Scott Hess sagt Dressel: „Ich glaube an Magie, an Magie, die entsteht, wenn ich eine Kamera auf das Leben richte und ein paar Hundertstel Sekunden in ein Bild einfriere. Danach verwandelt sich das Bild in etwas, das vermittelt, was ich über diese Welt denke und fühle. Diese Magie ermöglicht es mir, mich in diese Welt hinein zu photographieren.“ (zit.n. Los(t) Angeles. Michael Dressel, Gingko Press/ Hartmann Books 2021, S.167)

Dieter Matthes, 1952 in West-Berlin geboren, promovierte an der FU Berlin in Humanmedizin und arbeitete neun Jahre als Facharzt für Innere Medizin und klassische Homöopathie. 1970 begann er, sich intensiv mit dem Medium Photographie auseinanderzusetzen. Er realisierte zahlreiche Publikationen in Photozeitschriften wie Photographie, Foto-Magazin, Olympus Magazin und Brennpunkt und erhielt Prädikatsauszeichnungen auf internationalen Photosalons. Ab 1989 konzentrierte Dieter Matthes seinen beruflichen Schwerpunkt auf die Photographie, zunächst in journalistischer Ausrichtung mit Aufträgen für Stern, ZEIT-Magazin, FAZ-Magazin, GEO-Magazin, Focus, Forbes u.a. Für das Magazin GLOBO begleitete er Reportagen überall auf der Welt, darunter über New York, Montevideo, Guadeloupe, Eastern Orient Express und Bangkok. Neben anderen Projekten war er zwischen 1995 und 2000 einer der Hauptautoren der Rubrik „Blickwinkel“ im Berliner Tagesspiegel. Seine „Metropolis“-Serie erscheint wie eine Art internationaler Charakterstudie von Großstädten: eine Studie über Beton, Stahl und Glas, über zum Himmel fliehende Sichtachsen und einen Lebensraum, der beinahe nur noch aus Architektur besteht. In einer Welt, in der man nirgendwo mit den Füßen den Erdboden berühren kann, erscheinen Menschen klein und ausgesetzt. Oft belässt Dieter Matthes sie in ihrem anonymen Raum. Daneben gibt es jedoch auch Aufnahmen, in denen die Protagonist*innen zu ihm eine emotionale Verbindung aufzubauen scheinen: ein intensiver Blick, eine flüchtige Berührung, ein küssendes Paar, ein Kind, das den Photographen beobachtet. Besonders die Serie „Kindheiten“ sucht solche Momente auf. Dieter Matthes’ Bilder bewahren sich einen Standpunkt stiller Betrachtung. Dadurch gelingt es ihnen, das Miteinander von Stadt und Mensch zuweilen als ein künstlerisches Gebilde, eine aufeinander abgestimmte Komposition wahrnehmbar zu machen.

Zur Ausstellung erscheint ein Artikel im brennpunkt. Magazin für Photographie, Ausgabe no. 02/22 (April-Juni).

17.02. - 17.03.2022

Die Zeit falten. Und weitergehen

C.D. Aschaffenburg, Sara Assadi, Marek Benczewski, Jan Beumelburg, Ebrahim Ehrari, Caty Forden, Christiane Grasse, Saint James, mehrdad m., Maryam Motallebzadeh, Aurore Millet, NÄNZI, Boriana Pertchinska, Wolfgang Petrick, Ulrich Reimkasten, Mathias Roloff, Uwe Sernow-Rose, Jan Sobottka, TAD.berlin, Tiba

Wie wäre es, wenn man Zeit einfach zusammenfalten und wegwerfen, ja, rückwärts überspringen könnte? Und dann einfach weitermachen, wo man aufgehört hat? Dass das nicht geht, wissen wir spätestens nach zwei Jahren Corona-Pandemie sehr genau. Jede und jeder auf die eigene Art. Nach Ende des ersten Lockdowns im Mai 2020 verwirklichten 17 Künstlerinnen und Künstler in der Galerie feinart berlin spontan eine Gemeinschaftsausstellung, verbunden mit einer Sammlung individueller Berichte und Statements zu ihren Erfahrungen unter Corona.

 

„Für mich war es, als wäre ich in ein Koma gefallen, manchmal ohne eine Vorstellung, was und wen ich nach dem Aufwachen sehen würde.“ (Tiba) | „Painting the view from my appartment I had the strange feeling that the real world began to look like my paintings. It kept me focused in a way I hadn’t felt for years.“ (Caty Forden) | „Die Corona-Zeit hat eine besondere Ambivalenz zwischen Verbergen und Zeigen, Schutz und Isolation erlebbar gemacht, die dem Maskieren innewohnt: einerseits die digitalen Masken als mediale Bedingung, um soziale Kontakte aufrecht zu erhalten. Andererseits die Maske im realen Raum als Schutz vor und für andere Menschen.“ (Sara Assadi) | „Man könnte die Krise auch wie eine Krankheit als Weg sehen, in der die Kunst einen wesentlichen und vielleicht historischen Beitrag dazu leisten kann, die Zukunft zu gestalten.“ (Maryam Motallebzadeh) | „Krisen sind immer auch Chancen und Chancen müssen genutzt werden. Nach der Krise wird womöglich nichts mehr so sein, wie es davor war. Die Kunst wird sich ihren Platz neu erobern müssen und dabei wird vieles in Frage gestellt werden. Letztlich geht es um einen längst fälligen Paradigmenwechsel, um das Verhältnis von Materiellem und Geistigem, Technologie und Mensch.“ (Ulrich Reimkasten) 

 

Wie blicken Sie heute, zu Beginn von 2022, auf diese Sätze? Zwei Jahre nach Verhängung des ersten Corona-Lockdowns wollen wir mit einer zweiten Gemeinschaftsausstellung an damals anschließen, aber weniger, um zurückzublicken als voran: Wir sind da und machen weiter! 

Die Zeit falten und weitergehen, oder, wie der Künstler Mehrdad Mobasseri im April 2020 seinen Lieblingsliteraten zitierte: „Wir verwirklichen uns nie. Wir sind zwei Abgründe — ein Brunnen, der den Himmel anstarrt.“ (Fernando Pessoa)

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18.11. - 16.12.2021 | verlängert bis 29.01.2022

Wunschmaschinen - Maria Wirth

Zur Finissage: Lesung und Diskussion mit Lilian Noetzel
Inspiriert von Bildern der Ausstellung entwickelt die Autorin eine, wie sie es nennt, Philotasie: eine essayistische Erzählung über das Schöpferische, das Chaos, über Fragen nach dem Wesen des Menschen und seinem Willen zur Kultur.


Über die Ausstellung

„Es atmet, wärmt, ißt. Es scheißt, es fickt. Das Es … Überall sind es Maschinen im wahrsten Sinne des Wortes: Maschinen von Maschinen, mit ihren Kupplungen und Schaltungen. Angeschlossen eine Organmaschine an eine Quellmaschine: Der Strom, von dieser hervorgebracht, wird von jener unterbrochen. Die Brust ist eine Maschine zur Herstellung von Milch, und mit ihr verkoppelt die Mundmaschine. Der Mund des Appetitlosen hält die Schwebe zwischen einer Eßmaschine, einer Analmaschine, einer Sprechmaschine, einer Atmungsmaschine (Asthma-Anfall). In diesem Sinne ist jeder Bastler; einem jeden seine kleinen Maschinen.“
(Deleuze/ Guattari, Anti-Ödipus: Kapitalismus und Schizophrenie)


In der Malerei von Maria Wirth (*1987) geht es um Körperlichkeit, Identität und zwischenmenschliche Wirklichkeiten. Ihre farbintensiven abstrakten Bildräume behausen menschliche und tierische Körper, die sich, so prägnant sie auf den ersten Blick wirken mögen, gleichzeitig verschließen und tiefe Widersprüchlichkeiten in sich bergen. Die Künstlerin, die 2015 ihren M.A. Philosophie an der Freien Universität Berlin absolvierte, setzt sich in ihren Arbeiten immer wieder mit Weiblichkeit und Erotik auseinander — einer hintergründigen Erotik, die mehr an Existenziellem als an Lust und Leidenschaft rührt. In ihrer unabhängigen Bildsprache erforscht sie ambivalente Gefühle und Werte, die konträr zu einfachen Gegensatzlogiken wie Mann-Frau, Macht-Ohnmacht, Täterin-Opfer, Hass-Liebe, Jung-Alt stehen. 

Mit dem Titel „Wunschmaschinen“ rückt Maria Wirth ihre Arbeiten aus 2021 in das Licht einer psychologisch-strukturalistischen Kapitalismus- und Konsumkritik im Gedanken an die französischen Philosophen Gilles Deleuze und Félix Guattari. Ist etwa unser begehrendes, zu Selbstbefriedigung, zu Produktion und Konsum neigendes Unbewusstes der eigentliche Demiurg, der eigentliche Kapitalist dieser Welt? Nicht zufällig tauchen in den Bildern der Künstlerin immer wieder Tiere und Chimären auf, die sie als Alter-ego der sinnlichen wie auch der unbewussten Ebenen des Menschen kreiert, in denen Animalisches und Menschliches, Instinkt und Ratio verschmelzen.
>> Ausstellungsbesuch von female-gaze.blog

14.10. - 11.11.2021

Shades of Water

Ebrahim Ehrari

 Ab 1957 arbeitete Ebrahim Ehrari, geboren 1938 in Urmia, Iran (Provinz West-Aserbaidschan), für zwei Jahre als Pipelineschweißer auf der Insel Kharg im Persischen Golf. Zum Teil wurde ohne Taucherausrüstung in eine Tiefe von bis zu 40 Metern getaucht. Dieses eindringliche Erlebnis des Meeres, seiner Macht und stillen Tiefe sowie seiner Formvielfalt haben das Werk des Künstlers lebenslang geprägt. Unter dem Titel „Shades of Water“ treffen jetzt Arbeiten aus dem Früh- und dem Spätwerk Ehraris in einer Ausstellung zusammen. Im Zentrum steht das Motiv des Wassers: das Wasser als Element des Lebens, als Symbol für Reinigung, Zeit und Wissen, aber auch als Repräsentant des Schicksals, des Unbewussten und der Sehnsüchte sowie als Urgewalt und Mahnung.
Ebrahim Ehraris Frühwerk ist bestimmt durch meisterliche Radierungen, die Michael Nungesser 1982 treffend als metaphorisch verschlüsselte Bildwelten zwischen Realistik und symbolischer Überhöhung beschreibt: „naturalistisch in der Form, phantastisch in Struktur, Farbe und inhaltlicher Kombinatorik“, balancierend „zwischen Abbildhaftem und poetisch Sinnbildhaftem“. Im Vergleich hierzu äußern die farbintensiven, abstrakten Öl- und Acrylgemälde des Spätwerkes eine Lust zur Entgrenzung des Gegenständlichen und zur Feier der Farbe.
 
Das künstlerische Lebenswerk von Ebrahim Ehrari wie auch das soziale und politische Bewusstsein, das ihn ausmacht, vereinen zwei Pole: die Verbundenheit zur Heimat einerseits und das Streben nach Selbstbestimmung und Freiheit andererseits. Seit 1966 in Berlin, studierte er zwischen 1968 und 1973 unter Prof. Wolfgang Ludwig und Prof. Hans Fortsch Graphik Design an der HdK. 1973-75 lehrte er im Bereich Graphische Techniken an der Fakultät für Schöne Künste an der Universität Teheran sowie an der dortigen Hochschule für Angewandte Kunst. 1975-78 studierte er Kunstgeschichte an der FU Berlin und leitete zwischen 1976 und 2003 die Radierwerkstatt des Künstlerhauses Bethanien vom BBK. Seit 1983 engagiert sich Ebrahim Ehrari für den Kunst- und Kulturaustausch zwischen Deutschland und Aserbaidschan, u.a. als Mitbegründer und Vorsitzender des Aserbaidschanisch-Deutschen Kulturfördervereins. Die von ihm 2007 gegründete Galerie Berlin-Baku in Schöneberg (ab 2014 geleitet von Tochter Parwane Ehrari) war bis 2018 nicht nur ein renommierter Ausstellungsort sondern auch ein Begegnungszentrum für Künstler*innen unterschiedlicher Kulturen und Nationen.e


09.09. - 07.10.2021

Ungeschehene Orte

Thomas Kleemann

Thomas Kleemann, Tagesspiegel vom 02.10.2021

Wer die illusionistischen Räume aus Architektur- und Naturfragmenten von Thomas Kleemann (*1954) kennt, weiß, hier handelt es sich keinesfalls um Ideen von Landschaften, und doch besitzen diese Szenen eine so intensive, plastische Wirkung, dass man den Blick unendlich wandern lassen möchte. Als Meisterschüler von Johannes Geccelli (UdK 1981) von der Abstraktion kommend, verdichtet er seit den 1990ern seine Farbstrukturen und Reliefs aus Siliziumkarbit auf der Leinwand so, dass erkennbare Gegenstände und, mit ihnen, dem Menschen vertraute Welten auftauchen. Dennoch ist hier keine Realität. Was der Künstler uns zeigt, liegt jenseits. Es scheint, als wären hier andere Wirklichkeiten geschaffen, tief und geheimnisvoll. Die Architekturen ebenso wie die landschaftlichen Bezüge in seinen Gemälden sind hingegen geradezu archetypisch: Brücken, Häuser, Treppen, Ufer, Gebirge, die See. In verrätselte Farb- und Lichträume* gefügt, erweitern sie das subjektive Bilderlebnis hinein in den Bereich des kollektiven Bildgedächtnisses. Auf diese Weise öffnen Thomas Kleemanns Werke eine Tür zurück in Vorstellungsräume einer weit zurückreichenden Kulturgeschichte. Möglicherweise erscheint es deshalb, als würden die Gemälde weniger den Raum als vielmehr die Zeit sichtbar machen. Obwohl die meisten von ihnen keine Menschen zeigen, so sind sie nicht menschenleer. Im Gegenteil scheint alles vom menschlichen Geist bewohnt, ja, für ihn vorgesehen, um durchstreift zu werden.

Thomas Kleemann, Stipendiat der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo, Casa Baldi, und Karl-Hofer-Stipendiat, ist seit 1985 freischaffend als Künstler tätig und lebt und arbeitet in Berlin und Melz/ Müritz. Er verzeichnet zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in namhaften Kunstvereinen, Galerien und Museen unter anderem in Berlin, Hamburg, Potsdam, Düsseldorf, Saarbrücken, Mannheim, Dresden, Kiel, München wie bspw. Einzelausstellungen im Ostholstein-Museum (Eutin), Kulturforum Villa Oppenheim (Berlin) oder dem Rosenhang Museum (Weilburg) sowie Präsentationen auf Kunstmessen, darunter Nord Art, Kunstmesse Düsseldorf, ART Innsbruck, art Karlsruhe und der POSITIONS BERLIN ART FAIR.


05.08. - 02.09.2021

Wildbahn Berlin

17 Jahre Photographie der Berliner Kunstszene von Jan Sobottka

gallery feinart berlin, contemporary art, jan sobottka, wildbahn, exhibition, niebuhrstrasse 71, maria wirth

In der Ausstellung zeigt Jan Sobottka ausgewählte Ergebnisse aus 17 Jahren Photographie der Berliner Kunstszene und ihrer Protagonist*innen - festgehalten in zwei Sujets: zum einen der Dokumentation von zahlreichen Eröffnungen in Galerien, Museen und Ateliers, zum anderen der Arbeit mit Modellen im privaten, intimeren Raum jenseits der Öffentlichkeit. Um einen Blick auf die Persönlichkeiten zu werfen, die hinter Jan Sobottkas Portraits stehen, wird die Ausstellung von originalen Kunstwerken einiger der abgebildeten Künstler*innen ergänzt.


Teilnehmende Künstler*innen: C.D. Aschaffenburg, Roger Ballen, Horst Bartnig, Manfred Carpentier, Michael Dressel, Angela Dwyer, Samira Freitag, Hermann Kleinknecht, Gertrude Köhler, Colette Lumiere, Gerhard Mantz, Elisabeth Masé, NÄNZI, Wolfgang Petrick, Gérard Waskievitz und Maria Wirth | Aus dem Privatbesitz von Jan Sobottka: Einzelstücke von Alexander Kluge und Jonathan Meese

Veranstaltungen

  • Vernissage-Tage Do, Fr, Sa 05./06./07.08.2021 jeweils 17:00-21:00
  • Fr 06.08.2021 18:00 Bazon Brock: "Kunst jenseits des Marktes, also Kunst"

Da der Kapitalismus nur als Ideologie existiert, denn er hat den Markt als Regulativ durch erpresste Subventionierung weitestgehend ausgeschaltet, liefert auch der Kunstmarkt nur haltlose Ideologie anstelle ästhetischer Kriterien. Ohnehin war mindestens seit 1965 das Interesse der Kunstkäufer durch die Tatsache bestimmt, dass, wer kauft, von jeder Rechtfertigung befreit ist. Kunstkauf heißt also seither, dass man der Verpflichtung auf ästhetische Kenntnisse und Urteile durch den Kauf sogar hochgelobt entgehen kann.


Über den Photographen Jan Sobottka

Als Maler bei Prof. Wolfgang Petrick an der HfBK ausgebildet, lebt der künstlerische Stil seiner Photographie von seinen Kenntnissen über Gestaltungsprinzipien und Motivgeschichten aus der Malerei. Insbesondere in den Portraitarbeiten zeigt sich der Einfluss der Renaissance auf Jan Sobottkas Art der Lichtführung, die Wahl des Bildausschnittes und die geschlossene Komposition. Wie die Maler damals faszinieren ihn der Blick und die Pose als Ausdrucksträger des Selbstverständnisses, Stolzes, ja, des Geheimnisses einer Person.

www.catonbed.de - Der Fundus, aus dem Jan Sobottka seine Photographien auswählt, ist mit rund 50.000 Bildern das größte, frei zugängliche Online-Bild-Archiv der Berliner Kunstszene. Als Dokumentation angelegt erzählt das Archiv davon, wie sich der Photograph immer auch für die Geschichten interessiert, die hinter den eingefangenen Gesichtern stehen. Der Schlüssel seiner Kunst liegt im Aufbau einer natürlichen, gegenseitigen Beziehung zu seinem Gegenüber.

Ein Credo des Photographen ist die Arbeit mit available light, das heißt, mit dem vor Ort verfügbaren Licht. Sich auf Licht als eine ungewisse, instabile Komponente einzulassen, die Herausforderung, gute Einstellungen in Räumen zu entwickeln, so, wie er sie vorfindet, hierin liegt eine wichtige Quelle der Inspiration.

Seit 2007 arbeitet Jan Sobottka mit Modellen. Im Unterschied zur klassischen Studio-Photographie entwickelt er die Shootings in seinem privaten Umfeld, oft ohne abgestecktes Zeitfenster und szenische Regie. Überwiegend sind die Modelle junge Frauen und es liegt einer ihrer Reize darin, dass die Photographien immer auch das Thema Weiblichkeit verhandeln - in allen Facetten ihrer melancholischen, vom Leben gezeichneten, einsamen, verspielten, kokettierenden oder lustvollen Gestalten, aber auch durch die Frage nach dem Bedürfnis von Frauen nach der Anerkennung ihres Körpers, dem Gefallen und Gefallenwollen gegenüber Betrachtern. Aus dieser Sicht lassen sich Sobottkas Photographien auch mit der nach wie vor aktuellen Debatte über Geschlechterbilder in Verbindung bringen, die die Formen der Selbstbestimmung von Frauen in der modernen westlichen Welt maßgeblich geprägt haben.


01.07. - 29.07.2021

Vom Wind getragen

Maryam Motallebzadeh

gallery feinart berlin, contemporary art, maryam motallebzadeh, exhibition, niebuhrstrasse 71, maria wirth

Ob Malerei, Tuschezeichnung auf Papier, Installation oder Film, Maryam Motallebzadehs Kunstwerke lassen sich als eine Art Zeitzeugen verstehen - geschaffen im Bewusstsein um bestimmte Lebenszeiten und den Einfluss bestimmter gesellschaftlicher und politischer Umstände, die das Erleben und Denken der Künstlerin beeinflussen. Auch deshalb waren Reisen und Begegnungen mit anderen Kulturen stets eine wichtige Inspirationsquelle für ihre künstlerische Themenfindung.
Ausstellungen der gebürtigen Iranerin haben oft den Charakter von Räumen, die wie Tagebücher angefüllt sind mit Notizen und mit Spuren von Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen aus einem bewegten Leben. Die Künstlerin hat sich, zwischen Orient und Okzident wandelnd, intensiv mit Themen wie Heimat, Identität, Sprache und dem Verhältnis von Ich und Natur beschäftigt.

Die Ausstellung „Vom Wind getragen“ steht im Zeichen des Themas Schicksal und versammelt Werke, die formal durch eine besondere Leichtigkeit und Dynamik gekennzeichnet sind. Schnell stößt man jedoch auch hier auf spannungsvolle Stellen, sei es, wo leidenschaftlich zerstäubendes Rot sanfte weiße Flächen angreift, sei es, wo das Motiv des Schleiers ein komplexes Bedeutungsfeld aus Verbergen und Aufdecken, Fremdheit und Intimität, Abweisung und Verführung eröffnet. In der Installation „Hinter dem Schleier“ arbeitet Maryam Motallebzadeh zum Beispiel mit der Symbolik, die dieses Motivs im alten Ägypten und im antiken Griechenland besaß. Dort stand der Schleier für die Scheide zwischen Leben und Tod, zwischen Täuschung und Erkenntnis, Tod und Wiedergeburt. 

Einige der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten sind während der Corona-Pandemie entstanden und betonen die aktuelle Brisanz von Fragen nach Vergänglichkeit, Ungewissheit und, nicht zuletzt: der Liebe.

>> Zur Website der Künstlerin

15.04. - 24.06.2021

U T O P I E R

Willi Sitte und Ulrich Reimkasten

"Mutig, feinsinnig und überfällig, die Neusicht auf das Sitte-Werk und die geglückte Symbiose mit Reimkastens Facettenreichtum.
Danke für dieses Erlebnis und verdienten Erfolg für Sie und die Künstler. Begeistert und bereichert heimgelaufen."  

S. Ikonomow, Ausstellungsbesucherin, 16.04. 

gallery feinart berlin, willi sitte, ulrich reimkasten, ddr, kunst, exhibition, niebuhrstrasse 71, maria wirth

15.05. 19:00 Vortrag Dr. Eckhart Gillen zu den kunstgeschichtlichen Hintergründen der Ausstellung und der Verbindung der Oeuvres von Willi Sitte und Ulrich Reimkasten
>> den Vortrag auf YouTube anschauen

Zwischen Generationen - ob Lehrer*innen und Schüler*innen, Vätern und Söhnen, Müttern und Töchtern - steht eine Umbruchszeit. Vor allem in der Kunst: eine Zeit der Unterweisung, der Infragestellung und der Identitätsbildung. Hier werden das Woher und Wohin von Biographien verhandelt und der Rahmen für die Weitergabe und den Wandel von Werten, Ideen und künstlerischen Ausdrucksformen gestiftet.
Anlässlich des Willi-Sitte-Jahres 2021 zu dessen 100. Geburtstag zeigt die Galerie feinart berlin eine Auswahl aus seinen „Hommages an die Meister“ zusammen mit Zeichnungen und Malereien von Ulrich Reimkasten, der zwischen 1975 und 1985 zum Schülerkreis um Willi Sitte gehörte.

Willi Sittes Druckgraphiken „Hommages an die Meister“ imaginieren sich, dem Pathos seiner expressiven Körperdarstellungen und lebendig pulsierenden Bildkompositionen folgend, in die Stilwelten seiner großen Vorbilder wie Michelangelo, Courbet und Ernst. Hier knüpfen auf ihre Weise die frühen Zeichnungen und Tuschen von Ulrich Reimkasten an. Sie geben Einblick in die Werkstatt des jungen Künstlers sowie dessen Auseinandersetzung mit Vorbildern und der Suche nach einer eigenen Ausdruckssprache. Was der heute emeritierter Professor für Malerei und Textile Künste an der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle und einer der wenigen zeitgenössischen Tapisserie-Meister daraus in seinem reifen Oeuvre entwickelt hat, zeigt die Ausstellung am Beispiel von Malereien aus verschiedenen Serien. 
Die Ausstellung steht im Zeichen einer Neugier für das Verbindende und Trennende sowie für die feinen Bewegungen zwischen den künstlerischen Entscheidungen der beiden Persönlichkeiten, nicht zuletzt als Vertreter zweier Generationen. Außerdem geht es um die Frage: was ist Realismus? Die Antwort findet sich zwischen der Kontinuität und den Brüchen eines Kunstbegriffes, eines Kunstbegriffes, der eng mit der Zeit der deutschen Teilung und Wiedervereinigung verbunden ist, die viele Menschenleben prägte.

03.12.2020 bis 21.02.2021

A u f B r u c h

Aurore Millet

Die Ausstellung ist von der Frage inspiriert, inwieweit sich Aurore Millets zwischen 1996 und 2020 entstandene und inhaltlich wie stilistisch vielschichtige Arbeiten in dem Kontinuum einer künstlerischen Entwicklungsbewegung betrachten und verstehen lassen. Die Zeichnungen, Photoprints und Malereien haben gemeinsam, dass es der Künstlerin im Ursprung jedes Schaffensprozesses um das genaue Hinsehen geht: das Blicken zwischen und hinter die Dinge unserer alltäglichen Wahrnehmungswelt und deren Abstraktion oder zum Teil auch Radikalisierung auf das Wesentliche wie Farben, Konturen, Negativ- und Positivformen. Genau hinzusehen bedeutet dabei immer auch aufmerksam, wach und kritisch zu sein wie bspw. in der Serie Reminiscence, die 2001 bis 2004 aus persönlichen Erfahrungen mit dem Kriegsgeschehen in Palästina und Israel entstand. 

Zwischen Allem und Nichts steht das Leben - und die künstlerische Freiheit. Aurore Millets Arbeiten fordern uns dazu auf, der Welt immer wieder wachen Auges und Sinnes entgegenzutreten.

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Figurescapes - Anne Hoenig

08.10. - 12.11.2020 >> VERLÄNGERT BIS ZUM 26.11.2020!

Die Ausstellung vereint Werke aus vier zentralen Serien von Anne Hoenig: „At Arm’s Length“, „Hard Boiled Painting“, „Time Slice“ und „Men in Suits“, die seit 1993 entstanden sind. Zur Schau gehören auch Porträtarbeiten über Persönlichkeiten wie Jorge Luis Borges, William S. Burroughs, Man Ray oder Inga Humpe. Immer wieder beschäftigt sich Anne Hoenig in ihren Arbeiten mit dem Miteinander von Intimität und Distanz und nicht selten scheint es, als würde sich gerade aus der Unnahbarkeit der Figuren heraus dem Betrachter ein Raum für Emotionen, ja für das Versprechen von Sinnlichkeit und Nähe eröffnen. Als Motive wählt sie Personen, zumeist enigmatische Frauen, in offenbar privaten Lebensmomenten, deren Atmosphären sie mit ihrer ausdruckshaften Gestik und Haltung einnehmen. All dem verleiht eine altmeisterlich plastische und in ihren Farben brillante Maltechnik den Charakter von etwas Geheimnisvollem, Verborgenem. Die Orte, an denen wir die Personen antreffen, stehen immer auch in Resonanz mit deren Innerem und laden uns dazu ein, am Bildgeschehen teilzunehmen, als Vertraute oder heimliche Beobachter.

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03.09. - 01.10.2020

Welcome to my zoo 

Maria Wirth


Ein Forschungsschwerpunkt der Ausstellung sind Misch- und Mythenwesen, die in ihrer surrealistischen Anmutung so beispiellos wie zukunftsweisend sind. Die Forscherin, Maria Wirth, hat längst nachgewiesen, dass Zu- und Einordnungen wie „weiblich“, „männlich“, „hermaphrodit“ obsolet und gestrig sind und mit der Kreation eigenen Spezies Perspektiven intersexueller Kommunikationen und multiphoner Interaktionen eröffnet, die in ihrer wirklichen Dimension und Wirkung heute noch nicht zu erfassen sind. Auf dem Boden antiker Vorstellungen von Körper und Seele sowie deren zeitloser Metaphorik folgen die von ihr kreierten Wesen und Gefährtenschaften einer Ästhetik jenseits anthropozentrischer Konventionen und rühren an der Frage nach deren Legitimation. Was als Auseinandersetzung mit verzerrten, überdehnten, fragmentierten, zum Teil absurden Körperformen und -posen beginnt, führt so hinter die Fassade des kultivierten menschlichen und des domestizierten tierischen Lebens und auf diesem Wege zur Grundsatzfrage nach Natürlichkeit, Schönheit, Wirklichkeit. 

Maria Wirth öffnet nun exklusiv für Sie und Dich ihre Schatzkammern und Labore, ihre Gewächshäuser und Volieren. Staunen und Wundern sind garantiert. 


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30.07. - 27.08.2020

Berlin: ein Kind, das noch im Traume lacht - Frauke Bohge

„Eine Stunde ist nicht nur eine Stunde; sie ist ein mit Düften, mit Tönen, mit Plänen und Klimaten angefülltes Gefäß. Was wir die Wirklichkeit nennen, ist eine bestimmte Beziehung zwischen Empfindungen und Erinnerungen.“ Marcel Proust

Zeit und Erinnerung bilden für Frauke Bohge inhaltlich und formal ein zentrales Feld zur Auseinandersetzung. In den Landschaften und Stadtansichten drückt sich ihr Gespür für die Verschränkung von Raum- und Zeitdimensionen aus, ihr Gespür für die Bedeutung von Orten als Träger von Erinnerungen. Vor allem markante Orte sind es schließlich, die - als erinnerte oder reale - bewahren, was hinter uns liegt oder einmal liegen wird. In der Ausstellung werden einer Auswahl von Stadtansichten Werke aus Frauke Bohges aktueller Serie zum Thema Kindheit gegenübergestellt. In Malerei und Textil-Collage greift sie die Frage nach der Möglichkeit der Rückkehr in eine vergangene (verlorene?) Zeit unseres Selbst auf. Was ist es eigentlich, das als Vergangenheit oder Kindheit hinter uns liegt? Und was bedeutet diese Kindheit, die wir, erwachsen, in jungen Gesichtern sehen? Die Beantwortung dieser Fragen wäre eine Reise zu den Anfängen der individuellen Persönlichkeit. 


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25.06. - 23.07.2020

Setzen Sie sich! - Siegfried Kober

Siegfried Kober Ausstellung feinart berlin

Die Ausstellung versammelt Objekte von Siegfried Kober (*1951), die aus drei in Materialcharakter und Formsprache sehr unterschiedlichen Werkgruppen stammen. Kobers Holzfiguren konterkarieren mit ihrer schroffen, aufgebrochenen Oberfläche und ihrem archaischen Ausdruck das Schönheitsideal der antiken Skulptur und beleben dabei zugleich zwei Urmotive der antiken Mythologie neu: das Hervortreten des menschlichen Antlitzes aus der Natur sowie die gestaltende, aber auch zerstörerische Kraft, die in der Hand des Menschen liegt. Im Unterschied dazu zeigen sich die Drahtobjekte leicht, vom Hintergrund durchdrungen. Wie körpergewordene Zeichnungen stehen diese Drahtgeflechte im Raum, flimmernd, das Auge anlockend und gleichsam ins Leere laufen lassend. Kobers graphische Arbeiten auf Leinwand wirken daneben wie Schattenrisse, in die Fläche gebrachte Gegenstücke seiner Objekte. Vor allem, wo die Umrisse der Wildschweine und Stiere in farbmonochrome, schwarz oder weiß angelegte Oberflächen hinein geritzt wurden, zeigt sich die unverwechselbare Fähigkeit des Bildhauers, mit Linie und Kontur im und am Raum zu arbeiten.

feinart berlin, Stefan Roloff Ulrich Reimkasten, Frauke Bohge, Siegfried Kober, Caty Forden, Maryam Motallebzadeh, TAD.berlin

Corona Intra Views

21.05. - 19.06.2020

Die Ausstellung versammelt siebzehn Künstlerinnen und Künstler ganz unterschiedlicher Herkünfte, Werdegänge, Lebensphasen, Fragestellungen und Arbeitsstile. Den roten Faden der Ausstellung bildet einerseits die Corona-Pandemie: eine existenzielle, globale Ausnahmesituation im Leben und Arbeiten, die für die Kunstschaffenden wie für alle Menschen zugleich gemeinsame, verbindende wie auch individuell ganz differenzierte Erfahrungen mit sich brachte und bringt. Dies gilt jedoch nur in einem sehr weiten Sinne, denn was dieses künstlerische Zusammentreffen noch viel mehr sichtbar macht, ist das Sensorium der Künstlerin/ des Künstlers für die Bedeutungen zwischen den Zeilen, für den Freigeist, den Witz ebenso wie für das Detail und den kritischen Blick aus der Distanz. 

Das Extra: CORONA INTRA VIEWS ONLINE - Aussichten & Einblicke in die Gedanken und Erfahrungen der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler im Horizont von Corona auf unserer Website >> Zu den Corona Intra Views

feinart berlin, C.D. Aschaffenburg

Unweit Jenseits - C.D. Aschaffenburg

06.02. - 19.03.2020

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Malereien von C.D. Aschaffenburg, die ihn als einen Wanderer zwischen den Welten, einen Kompositeur bewegter Bildräume zeigen. Landschaften, imposante Innenarchitekturen und zum Teil magisch wirkende Figurenszenen verschränken sich ineinander, sodass utopische, an das Unheimliche und Jenseitige grenzende Orte entstehen. Die Kraft der Motive speist sich aus einer besonderen Bildatmosphäre: der Anmutung verborgener aber bedeutsamer Zusammenhänge, dem Versprechen eines tieferen Geheimnisses, jedoch auch einem Aufscheinen von Aufbruch und Besinnung hinter dem Abgrund. Geboren 1953, schuf sich C.D. Aschaffenburg nicht nur als Maler ein Renommee sondern auch als Produzent und Regisseur im Experimentalfilmbereich. Auf der Vernissage wird sein Kurzfilm "Krause, oder ein beschriebener Film ist halt wie ein erzähltes Mittagessen" von 1988 gezeigt.
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Ausstellung "no bodies but minds"

Körperlichkeit in ihrer Vielfalt an Ausdruckswerten und Typen sowie in ihrer Empfindlichkeit gegenüber jeder Deformierung ist eine leitende Quelle der Arbeiten, die Maria Wirth in der Ausstellung präsentiert. Sie zeigen Körper und Figurenkonstellationen, die fragmentiert sind, in fremdartigen Haltungen verfangen, manchmal nackt und verzerrt, posierend oder tanzend, und immer fragil. Was die Arbeiten inhaltlich verbindet, sind ihre hermetischen Referenzen zu Motiven aus antiken Mythologien und philosophischen Diskursen, die sich für all die Gesichter des Leidenschaftlichen, die Suche nach dem Selbst und den Unbestimmbarkeitszonen des Daseins interessieren. 
Der deutsche Philosoph Hermann Schmitz sagte, Kunst sei “das Resultat einer Begegnung des Leibes mit den Gefühlen“. In diesem Sinne verstehen sich die in kraftvolle Farbräume gesetzten Figuren als sichtbare Konterparts von Wirklichkeiten des Gefühls- und Gedankenlebens. Körperlichkeit erweist sich hier als etwas, das vom Geist und dem Gefühlsleben durchdrungen ist, und umgekehrt zeigen sich Geist und Gefühl als etwas, das nicht ohne Körperlichkeit existiert. 

Gemeinschaftsausstellung "FaceAbilities. Portraits à la Art"

Präsentiert werden sechs in ihrer Technik und inhaltlichen Herangehensweise sehr verschiedene Umsetzungen des Genres Portrait. Jede der künstlerischen Positionen für sich, und noch mehr das Nebeneinander ihrer Unterschiede und Gemeinsamkeiten geben Einblicke in die Magie und das intime Gespür für den Anderen, welche künstlerische Portraits besitzen. 

Unter Portrait verstehen wir die Darstellung einer Person mit dem besonderen Anspruch, mithilfe künstlerischer Mittel etwas dieser Person Wesentliches festzuhalten. Der lateinische Wortursprung protrahere (hervor-ziehen) erinnert daran, wie eng damit ein Prozess des Entdeckens und Offenlegens verknüpft ist. Es geht um das Ergründen und Sichtbarmachen des Charakters, der Persönlichkeit und auch der Geschichte des zu portraitierenden Menschen. Zugleich spiegelt jedes Portrait immer auch ihren Hervorbringer wider, denn seine Sicht und seine Ausdruckssprache sind es, in deren Licht das Modell erscheint. Der Weg zum gelungenen Portrait ist ein Zwiegespräch mit dem Gegenüber, das der Künstler mittels seines Blickes, seiner Beobachtung und seiner Einfühlung führt. Während es auf der einen Seite das feine Sensorium des Künstlers für die realistische Nachempfindung bezeugt, so transzendiert das Portrait diese zugleich: auf das hin, was wir das „Innere“, das „Wesen“ eines Menschen nennen. 

   

Die 6 Künstlerinnen und Künstler: Sara Assadi - Malerei und Objektrahmen| Jan Beumelburg - Malerei, Zeichnung und Radierung | Frank Jerke - Photographie | Hamid Sadighi Neiriz - Inszenierte Photographie | Ilona Ottenbreit - Malerei und Zeichnung | Boriana Pertchinska - Malerei und Transformation auf Holz und Jute 

Ausstellung "Figures as Ornaments"

Figures as Ornaments: Leiber, die zu ornamentähnlichen Formationen werden, ornamentale Strukturen, die zu ausdrucktragenden Körpern auswachsen - Tiere, Menschen, Zwischenwesen. Ein Changieren zwischen Linie, Form und einem metaphysisch aufgeladenen Reich der Gestalten. 

 Titelgebend für die Ausstellung ist eine Werkserie der Künstlerin Maria Wirth (*1987 Berlin), die seit 2018 von der Dekonstruktion und formalen Verzerrung des menschlichen und immer wieder auch tierischen Körpers in Kommunikation mit Rhythmen ornamentaler oder abstrahierter organischer Formen geprägt ist. Immer wieder geht es um den Moment, in dem Linie und Form in Bewegungssuggestionen, Gefühlsanmutungen und auch synästhetische Charaktere umschlagen: es geht um Gestaltwerdung und Gestaltauflösung. Aus philosophischer Perspektive ist die Werkserie ein Nachdenken über die Einheit und Konsistenz von Identität und Bedeutung. 

Als Gastkünstler begrüßen wir den Iraner Mohsen Tighbakhsh alias Tiba (*1968 Teheran). Seine Malgründe sind handgewebte Teppiche vor allem aus Iran aber auch aus anderen Ländern wie Türkei, Griechenland und Nordafrika. Sie sind Zeugen uralter Lebensformen und besitzen je nach Herkunft spezielle Farben, Strukturen, Materialien und Alter. Unter Tibas Händen, seinerseits auch Meister der Webtechnik und virtuoser Tätowierer, entstehen auf diesen seltenen Teppichen spiralisch konturierte Figuren, die den rauen, haptischen Charakter des Hintergrundes mit farbiger Strahlkraft und einer Leichtigkeit in der Form durchbrechen. Jedes Motiv findet seine Balance in einem Miteinander von Figuration und Abstraktion. 

Ausstellung "Zwielicht"

Zwielicht. Mit der Dämmerung wird alles Sichtbare in eine unheimliche Mehrdeutigkeit getaucht. Diesem Übergang von Tag zu Nacht, der unsere Wahrnehmungen unsicher werden lässt, wohnen eine eigentümliche Magie und das Vermögen inne, unsere Phantasie in Bewegung zu versetzen. Die Ausstellung versammelt Arbeiten von Dana Bennewitz und Jan Beumelburg, in denen sich der Begriff des „Zwielichts“ in seinen ganz verschiedenen Bedeutungen widerspiegelt. Wir begegnen der geheimnisvollen Ambivalenz von Träumen und alten Mythen, Auseinander-setzungen mit dem „Unbewussten“ und originellen Lösungen für einen Spagat zwischen Wirklichkeit und Imagination. 

Ahnungen des Geheimnisvollen und Magischen haben schon immer menschliche Gesellschaften begleitet. Jedoch: Sind wir heute ihrer nicht umso mehr bedürftig, heute, in einer Welt der Ökonomiefixierung, Rationalisierung und Effektivierung? Das ist eine der Fragen, die uns diese Ausstellung mitgeben kann. 

Ausstellung "UnMaking Characters"

Die Frage nach dem Ich ist seit der Moderne der Scheidepunkt für das Gelingen des eigenen Lebens - We are made and we are making characters. In dieser Ausstellung lassen sich Sara Assadi (Iran), Maria Wirth (Deutschland) und Marek Benczewski (Polen) von der Bedeutungskomplexität des englischen Wortes Character inspirieren, um zeitgenössische Vorstellungen und Erfahrungen des Selbst mit künstlerischen Mitteln zu reflektieren. Das Selbst als „Character“ ist Persönlichkeit, ist individuelle Psyche, ist Expression, ist Imperativ. Es ist ein sowohl gemachter wie auch sich selbst kreierender Prozess. Um das sichtbar zu machen, experimentieren die drei KünstlerInnen mit dem „UnMaking“, das heißt, der Dekonstruktion von Charakteren. Der Gehalt ihrer Arbeiten entsteht durch das Auflösen, das Entflechten von klaren Rollen, Formen und Vorstellungen. 

Ausstellung "Surreal Gardens. Between Baku and Berlin""

Surreal Gardens between Baku and Berlin - erstmalig präsentieren Günay Shamsi, Aserbaidschan, und Maria Wirth, Deutschland, gemeinsam in einer Ausstellung ihre Malereien und Objekte. Auf je individuelle Weise versetzen sie surrealistische Gestaltungsprinzipien und Motive in ein neues, lebendiges und experimentierfreudiges Feld junger, postpostmoderner Kunstschöpfung.
 
 Die facettenreichen, feinsinnigen und diskussionsstiftenden Ideenwelten, die in den Kunstwerken von Günay Shamsi und Maria Wirth zu Sichtbarkeit gelangen, sind in dieser Ausstellung darüber hinaus zu einer ästhetischen Gesamtkomposition verbunden: zu einem surrealen Garten, der zum Durchwandern und Durchdenken einlädt.