03.08.-04.09.2024

Shadow Flowers

Letizia Werth

Vernissage
Samstag, 03.08. 18:00-21:00 | 19:00 offizielle Begrüßung

Letizia Werth interessiert sich für die Zeichnung und ihre Materialität sowie für das Verhältnis der Zeichnung zu anderen Medien wie Photographie und Video. Unter dem Titel „Shadow Flowers“ fasst sie einen Zyklus monochromer Arbeiten zusammen, in denen sie Bilder von aufgefundenen anonymen — „verlorenen“ — Photographien aus privaten Wohnräumen in Graphit und Tusche auf die Leinwand transformiert. Auf dem Wege der Loslösung von der photographischen Vorlage treten Kategorien wie Raum, Zeit, Fiktion und Realität in ihrer Fragilität hervor. 

„Das Zeichnen ist ein unmittelbarer Prozess des Einverleibens und Verdauens […]. Er ist vergleichbar mit dem Fluss der Atemluft beim Ein- und Ausatmen, dem Innehalten sowie Loslassen und genau so halte ich die Zeit für ein paar Momente inne und bewege mich in neue Bildwelten hinein.“ Letizia Werth hat sich von Photographie, Video über das Röntgenbild bis hin zur Séance eingehend mit dem Einfluss verschiedener Medien auf die Wahrnehmung beschäftigt. In den Shadow Flowers verwischen die Grenzen von Geistigem und Körperlichem, Realität und Imagination. Einerseits wissen wir: es existieren reale Urheber, Zeiten, Entstehungsorte, doch sind diese für immer unbekannt, in Vergessenheit geraten, ausgelöscht. Zugleich tritt in den Vordergrund, was bleibt: eine schon damals eindringliche Stimmung oder eine geheimnisvolle Impression von Licht und Schatten, die uns vielleicht gerade deshalb so berührt, weil sie sich in der Welt des Alltäglichen ereignete — in einem stillen Wohnzimmer, beim Blick auf ein im Gegenlicht blendendes Fenster oder auf Topfpflanzen eines Balkons — irgendwo — irgendwann. Wo die Szenen ins Negativ gekehrt sind und sich Graphit und Tusche staubhaft auf der Bildoberfläche verdichten, entsteht ein Anklang an Unheimliches, Geheimnishaftes. Wer diese Photos schoss, muss von etwas berührt gewesen sein, das es wert war, festgehalten zu werden.

Beim Innehalten zwischen Schwinden und Auftauchen, Erinnern und Vergessen, beweisen uns diese Arbeiten die Sensibilität der Künstlerin für die Poesie von Zeitlichkeit und die Intensität des einmaligen, doch vergänglichen Moments.


Letizia Werth lebt und arbeitet in Wien und hat ein Diplom der Akademie der bildenden Künste Wien. Ihre Arbeit wurde durch zahlreiche Stipendien und Preise ausgezeichnet, zuletzt den Martin-Rainer-Preis 2024 und die Residenz Lademoen Kunstnerverksteder 2024 in Trondheim, Norwegen. Zu den jüngsten Ausstellungen gehören Bildraum 07 Wien (Solo), C.A.Contemporary Wien (Solo), Drawing now fair Paris (Solo), Kunsthalle West Lana Italien, Museion Bolzano Italien, Kunstforum Montafon Österreich, MIET Thessalonik Griechenland, Kunstforum Unterland Neumarkt Italien (Solo), 21er Haus, Wien. Ihre Werke sind u.a. in den Sammlungen des Landes Österreich (Artothek des Bundes), der Stadt Wien (Sammlung Wien Museum), der ÖBV Wien, der Stadt Attnang-Puchheim, des Parkhotels Laurin und der Raiffeisen Landesbank Südtirol vertreten.