Künstlergespräche/ Ausstellungsrundgänge
MAUD TUTSCHE: Freitag, 21.06. 17:00-18:30
JÜRGEN TENZ (Gisela Tenz): Samstag, 22.06. 16:00-17:30
ARATORA: Samstag, 29.06. 16:00-17:30
Bei Interesse an der Teilnahme an einem oder mehreren Terminen freuen wir uns über eine Anmeldung an [email protected]. Zu jedem Termin findet im Gespräch mit der genannten Künstlerin / dem Künstler zu ihren/ seinen Werken ein Rundgang durch die Ausstellung statt.

Als erste Station einer annual geplanten Ausstellungsreihe zum Thema Collage werden Arbeiten von Maud Tutsche, Jürgen Tenz († 2021) und ARATORA präsentiert. Die Ausstellung möchte auf das Collagieren in einem weiteren Wortsinne neugierig machen und damit für die Bedeutung des Suchens, Sammelns und Reorganisierens von Dingen für den künstlerischen Prozess sensibilisieren. Das Alltägliche, Beschädigte, Weggeworfene erfährt in der spielerischen künstlerischen Arbeit eine Verwandlung und Umdeutung. Neben klassischen Collagen zeigen die drei Akteure der Ausstellung Schrift-Bilder, Digitalcollagen, Assemblagen, Montagen und Objekte.

Maud Tutsche (Collage, collagierter Bucheinband)
„In meinen Collagen verbinde ich zwei Aspekte, die mir wichtig sind: einerseits die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen, andererseits Schönheit und Ästhetik. Beides bedingt sich und gehört für mich untrennbar zusammen.
Meine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konflikten, Disharmonien und Zerstörungen führt zur Suche nach Harmonie und Schönheit, die ich in jeder Arbeit verwirklichen will und die Collage bietet mir Raum für Experimente.
Mich interessiert besonders die Haptik der unterschiedlichen Materialien. Ich arbeite mit Verpackungen, Folien, eigenen Drucken, Kinoplakaten, Büchern, Stempeln, Zeichnungen, Japanpapieren, Letrasets (Buchstaben), Materialien von Reisen und bündele all diese Techniken. Der Reichtum an Materialien macht meine Collagen anspruchsvoll und einzigartig. Thematisch beschäftigen mich Verbindungen in Licht, Form, Farbe — dem scheinbar Unvereinbaren. Auf allen Ebenen geht es um Dialog.“ © Maud Tutsche

ARATORA (Collage mit digitalisierten Holz- und Zusatzmodulen, Assemblage)
"Meine grafischen und malerischen Arbeiten sind nicht traditionsgebunden, sie sind ein konkreter, freier Weg durch mein individuelles und komplexes Universum. Alles Abgebildete ist als Einheit zu betrachten, deren bildlicher Inhalt sowohl im Macro- als auch im Microbereich angesiedelt ist. Die Formmaßstäbe und die innere Spannung einer Fläche oder Figur sind die bedeutungsvollsten Elemente. Die Farbe steht nur bedingt in einem Bezug zur Form, die Farbe ist dem kompositorischen Gesamterlebnis dienlich. In der grafischen Reduktion auf Grundelemente entwickle ich eine konsequente Antwort auf die Reizüberflutung unserer gegenwärtigen Informations- und Medienwelt. Ohne dabei auf die modernen Technologien und Möglichkeiten der Digitalisierung in der künstlerischen Arbeit zu verzichten.
Mein Fünffarb-Laserdruckverfahren mit digitalisierten Holz- und Zusatzmodulen ist eine logische Weiterentwicklung aller künstlerischen Hilfsmittel wie Pinsel, Stift, Radiernadel, Farbwalze, Druckpresse usw. mit dem technischen Wissensstand des 21. Jahrhunderts.“ © ARATORA alias Frank W. Weber

Jürgen Tenz (Relief-Collage, Objekt)
„Neben Graphik und Malerei war Jürgen Tenz (1942-2021) am Spiel mit anderen Werkstoffen interessiert. Auf Radtouren durch Berlin sammelte er auf Schrottplätzen Materialien, im Atelier Dosenweißblech, Batterieteile, Leinwand, Wellpappe, von Hochdruckarbeiten abgelegte Druckstöcke. Aus all diesen Fundstücken, verbunden mit Dispersionsfarbe und Kleber, entstanden 1997 bis 2002 plastische Figurationen mit dreidimensionaler Wirkung. Die Themen bezog er oft aus Serien der Malerei und Graphik und verwandelte sie in Relief-Collagen zu eigenen farbigen Impressionen. Seine Collagen leben von der jahrelangen Beschäftigung mit Musik, Bewegung, Tanz und Rhythmus, nicht ohne den ihm eigenen Witz, aber auch mit leichten Anklängen der Melancholie.

In demselben Zeitraum entstanden Jürgen Tenz‘ skulpturale Objekte: dreidimensionale abstrakte Formen aus Fundstücken wie Weißblech, Holz, Leinwand, Karton und Farben.“ © Gisela Tenz