13.10. - 24.11.2022

Umgepflügte Zeit

Elisabeth Störmer-Hemmelgarn

Vernissage 
Do 13.10.2022, 17:00-21:00 mit offizieller Einführung um 19:00

Wie ließe sich eine „umgepflügte Zeit“ denken? Hieße dies: die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus ihrer Ordnung reißen, sie zerstückeln und in Gliedern neu auswerfen, um zu sehen, was hier entstünde? Hieße dies: Zeitlosigkeit, ein Halt im Kreislauf von Werden und Vergehen? Die Gemälde der Malerin Elisabeth Störmer-Hemmelgarn führen uns zu verfallenen Bauwerken, eingebettet in eine wilde Natur: alte Kirchengewölbe, Ruinen, verlassene Fabriken, Mühlen, Gartenhäuschen, eine Kolonie zerfallener Strandkörbe am Meer. Außerdem sehen wir weite poetische Landschaften und Himmel, die allein für die Erhabenheit von Wolken gemacht zu sein scheinen. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Bilder menschenleer. Nicht aber menschenlos, denn in jedem einsamen Gebäude, ja, jedem verrosteten Werkzeug begegnen wir dem Nachlass eines Menschen. Längst jenseits ihrer blühenden Jahre, so bewahren diese zurückgebliebenen Architekturen und Gerätschaften doch das Echo jener Stimmen, die hier einst gewirkt haben. Was an ihrer statt gedeiht und blüht, ist die Natur. Sie holt sich den Platz zurück, den man ihr nahm und stellt dem Verschwinden von Kultur ihre unverwüstliche Schönheit gegenüber. Eine besondere Rolle in allen Bildern spielt das Licht. „Es gibt nicht eine Interieur-Arbeit von Elisabeth Störmer-Hemmelgarn, in der sich nicht ein Fenster, eine Tür, ein Tor, ein Durchlass öffnete und Licht hereinließe: strahlendes, gleißendes, flutendes, freundliches Licht“.(1) Ob hinter hohen Wolkenbergen hervorbrechend, eine Lichtung in das sanfte Anklingen eines Tages tauchend oder Sonnenfelder durch die Luke eines Dachbodens werfend — das Licht kommt stets von jenseits des Bildraumes und wird so zu Einladung, Versprechen, Ahnung und Geheimnis.

  • (1) Edda Bosse, Einführung in die Ausstellung „Bilder von Gedeih und Verderb — 20 Jahre Malerei von Elisabeth Störmer-Hemmelgarn“, Stiftung Overbeck 


Elisabeth Störmer-Hemmelgarn (*1948)
1968-1973 Graphikstudium an der Staatliche Hochschule für Bildende Künste Berlin | 1973-1976 Studium an der Pädagogischen Hochschule Berlin | 1976-1980 Lehrerin für Bildende Kunst und Biologie in Berlin | Seit 1980 freiberufliche Malerin | 1980-1997 Mitglied im BBK | 1989-2004 Mitglied der Künstlergruppe „Maler vor Ort“, ein Zusammenschluss der sieben Berliner Maler und Bildhauer Matthias Koeppel, Ernst Leonhardt, Hans Beyermann, Falko Hamm, Louis, Kornelius Wilkens und Elisabeth Störmer-Hemmelgarn | 1990 Aufnahme in den VBK als erstes weibliches Mitglied seit 1841 | 1994-2001 Mitglied im Künstlersonderbund Deutschland, Realismus der Gegenwart | 1996-1998 erste Vorsitzende im Künstlersonderbund | 2018 Gründung der Elisabeth Störmer-Hemmelgarn Stiftung im Rahmen der Stiftung Stadtmuseum Berlin

Lesung
Sa 05.11.2022 19:00 Lilian Noetzel liest über das Stillstehen von Zeit, und das, was sich in dieser Nicht-Zeit zu ereignen vermag. Den Text hat die Autorin eigens zur Ausstellung entwickelt.