12.05. - 23.06.2022

Jürgen Tenz

Blausaftapparat und Propellerengel

Vernissage
Donnerstag 12. Mai 2022, 17:00 bis 21:00 | Einführung um 19:00

1942 in Berlin-Siemensstadt geboren, steht Jürgen Tenz als Zeitgenosse der sogenannten Trümmerkinder-Jahrgänge für eine Künstlergeneration, die vom Zweiten Weltkrieg an Deutschland in den Höhen und Tiefen bedeutender gesellschaftsgeschichtlicher Wandlungen miterlebt hat: nach der zehrenden Nachkriegszeit die Wirtschaftswunderjahre, die Teilung Deutschlands in Ost und West, Kalter Krieg, Mauerbau und Wiedervereinigung. Im Dezember 2021 verstorben, hat sich der von der Gebrauchsgraphik und wissenschaftlichen Zeichnung kommende Künstler Tenz zeitlebens mit der Rolle des Menschen in der Gesellschaft und den Konflikten beschäftigt, die zwischen beiden Ebenen bestehen. Ob wir in seinen Werken auf singuläre Figuren, Figurenszenen oder Massen kleiner Körper treffen, die, stürzend, fließend, neue große Gebilde formen — überall scheint etwas oder jemand auf dem Spiel zu stehen, ja, ein Prozess oder eine Transformation in Gang gekommen zu sein.

Die Vielfalt an Genres und Stilistik, die Tenz‘ Oeuvre versammelt, spiegelt wider, wie sich der Künstler immer neuen Fragen stellte und wie er auch für klassische Themen neue Formulierungen suchte. Die Ausstellung kann in dieses umfassende Lebenswerk nur einzelne Einblicke geben. Dennoch zeigt die Auswahl aus Federzeichnung und Gouache (1970er Jahre), Hochdruck (1990er), Malerei und Collage (1997-2014) sowie Radierung (2006-2019) seine Mehrschichtigkeit und Unabhängigkeit.

Was alle Werke verbindet, ist die Entscheidung zur gegenständlichen Darstellung, ob fein meisterlich ausgearbeitet oder durch Reduktion und Abstraktion aus den Angeln der Realität gehoben, ob im konzentrierten Schwarz-Weiß der Graphik oder in der Farbigkeit expressiver Malerei. Die Auseinandersetzung mit antiker Mythologie wie auch das Spiel mit Kunstgeschichte, Mechanik, Gesellschaftspolitik und der Ästhetik des Tanzes erzählen von einem großen Wissensschatz und Wissensdurst des Künstlers. Nicht zuletzt in diesem Punkt repräsentiert sein Werk in äußerst aktueller Weise die fortschreitende Komplexität und Prozessualität des 20. und 21. Jahrhunderts.

ulrich reimkasten, willi sitte, berlin, ausstellung, feinart berlin, maria wirth, klaus memmert, beyond reality, hommages

**EXTERNE AUSSTELLUNG bei Galerie Beyond.Reality**

07.04. - 14.05.2022

Utopie und Reflektion

Grafiken von Willi Sitte und Ulrich Reimkasten

Vernissage 07.04. 17:00 - 21:00
Musik zum Gallery Weekend 30.04. 17:00 - 20:00
Finissage mit Maibowle 14.05. 17:00 - 21:00 | 18:00 Lesung von Steffi Memmert-Lunau: „Titanengeburt & Zentralperspektive“

Die "Hommages an die Meister" sind eine Serie von Druckgrafiken, die Willi Sitte (1921-2013) im letzten Jahrzehnt vor und in den Jahren nach dem Zusammenbruch der DDR herstellte und die er jeweils einem Künstler aus dem weiten Zeitraum von der Renaissance bis zur Moderne widmete. Was beschäftigt Sitte in diesen symbolbehafteten und teils in altmeisterlicher Manier ausgeführten Farbzinkographien? Ist es eine Rückbesinnung auf seine frühen Idole? Oder eine desillusionierte Auseinandersetzung mit den Leitplanken des sozialistischen Realismus, nachdem sich die Heilserwartung an das von Chruschtschow 1961 für das Jahr 1980 versprochene Erreichen des Kommunismus längst als unerreichbare Utopie herausgestellt hatte? Prof. em. Ulrich Reimkasten (*1953) gehörte zwischen 1975 und 1985 zum engeren Kreis der Studierenden um Willi Sitte an der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle und war dort später selbst Dozent für Malerei und Textilgestaltung. Als Vertreter einer neuen Künstlergeneration war für  Reimkasten die Darstellung sozialistischer Utopien kein Weg. Stattdessen reflektiert seine Malerei orientalische, mittelamerikanische oder auch paläolithische Bildmotive. Die in dieser Ausstellung gezeigten Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen geben einen Einblick das vielschichtige Oeuvre dieses kosmopolitischen Künstlers.

Ausstellungsort
Galerie Beyond.Reality
Schlüterstraße 70
10625 Berlin
www.klausmemmert-atelier.com
Öffnungszeiten: Mi-Sa 13:00 - 18:00 und nach Vereinbarung

Kontakt
Maria Wirth | +49 172 1642919 und maria.wirth@feinart-berlin.de