01.12.2022 - 19.01.2023

Sibyllisches Lächeln

C.D. Aschaffenburg und Maria Wirth

Cello-Konzert
Samstag 17. Dezember 2022 | 19:00 Im Dialog mit den Bildern der Ausstellung improvisiert Anton Peisakhov am Cello zu Sounddesigns aus eigener Komposition 

Besäßen Kunstwerke ein Lächeln, dann wäre dies wohl oft ein sibyllisches. Sibyllen, die Seherinnen der altgriechischen Mythologie, antworteten auf die ihnen zugetragenen Fragen nach dem Wohl und Wehe des Schicksals stets nur in Andeutungen oder Rätseln und entließen manchmal ihre Gäste mit der Mehrdeutigkeit eines bloßen Lächelns. Nicht die eindeutige (Er-) Klärung war ihre Profession. Vielmehr gaben sie die Verantwortung des Nachdenkens und Deutens direkt (wie ein Spiegel?) zurück an die Ratsuchenden.

 Die Referenz auf dieses antike Motiv betont ein wesentliches gemeinsames Bestreben der beiden Künstlerpersönlichkeiten der Ausstellung, nämlich das Aufwerfen bzw. nicht zur Ruhe kommen lassen von Fragen, das heißt, die Lust am Fragen anregen, anstatt zu beantworten, verbunden mit der Faszination für alles Geheimnisvolle, Mehrdeutige, Absurde im Sein und Denken des Menschen. 


Der Experimentalfilmkünstler und Maler C.D. Aschaffenburg (*1953) realisiert diese Idee in einer speziellen Verbindung von zeitgenössischem Magischen Realismus und Experimenten im Bereich des Expanded Painting. Seine verdichteten Bildentwürfe, hier und da verknüpft mit Zitaten der Kunstgeschichte von antiker Mythologie bis zur klassischen Moderne, entfalten vieldeutige Welten voller Fantasie, Witz und Ironie.


Die Bilder der Malerin Maria Wirth (*1987) sind inspiriert von antiken Mythologien und surrealistischen Ideen, umkreisen dabei jedoch stets die Grenze zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, konfrontiert mit eigengesetzlichen Substanzen wie Schellack, Leim, Asche und Pflanzenmaterialien. Weiblichkeit, Körperlichkeit, Intimität und das Durchkreuzen human(istisch)er und animalischer Identitätskategorien gehören zu den zentralen Themen ihrer künstlerischen Arbeit.


Jedes Lächeln ist eine mögliche Wiederverzauberung der Welt.

Jedes Lächeln ist Verführung und zugleich Verführtwerdenwollen.

Jedes Lächeln ist ein Beweis für die Uneinlösbarkeit der Hoffnung auf die eindeutige Wahrheit.

Jedes Kunstwerk ist ein mögliches Lächeln.