Corona Intra View no.8: Sara Assadi

Distanz, Abstand, räumliche Wahrnehmung, Zusammenhang zwischen Zeit und Raum und deren Auswirkung auf ihre Definition...Diese Themen interessieren mich, und ich setze mich seit langem gerne mit ihnen auseinander. 

Als Mensch kann ich vieles nur wahrnehmen, in dem ich meine Innenwelt teilweise mit der Außenwelt der Anderen verbinde bzw. gegenüber ihnen öffne. Als Außenwelt gilt ja für mich unser unmittelbares Universum inkl. der Menschen, die selbst jeweils für sich als Innenwelt gelten. Ich kehre oft zu meiner Innenwelt zurück, habe das Bedürfnis wie viele. Als Künstlerin gehört dies nicht nur zu meinem Freiheitsanspruch, sondern ist ein gewisser Freiheitsdrang, den ich in meiner Kunst auszudrücken beabsichtige. 

In den letzten Wochen haben die veränderten Lebensumstände und der Tages-Rhythmus mich dazu gebracht, noch öfter an diesen zu denken und auch an die Fragilität unserer Freiheit, ebenso an die Abhängigkeit dieser Freiheit von unterschiedlichen und teilweise ganz simplen Ereignissen wie bspw. sich anziehen, Treffen mit Freunden, ins Cafe gehen. Für mich ist die Einfachheit dieser Ereignisse auf die Selbstverständlichkeit der freien Entscheidung einer Person zurückzuführen. 

Auf einmal sind wir von der Außenwelt (von jeder Innenwelt aus betrachtet) aufgefordert, im Sinne unserer gesundheitlichen Sicherheit, voneinander, was auch bedeutet zu dieser Außenwelt, d.h. was sich in nicht unmittelbarem Privatraum befindet, Abstand zu nehmen. So vermisse ich das Erlebnis eines gemeinsamen Raumes, das Erlebnis der Realität des Gedankenaustausches in gemeinsamen physischen Räumen und somit verstärkt sich die Abstraktion meines Lebens durch eine langzeitige Rückkehr in meine Innenwelt.

Unter den Sicherheitsmaßnahmen gegen Corona musste ich meine Kontakte mit den für mich bedeutsamen Wesen in dieser Außenwelt, also mit Menschen sehr eingeschränkt und fast nur in digitalem Milieu finden. Ich möchte mein soziales Leben erleben und dies ist den Umständen entsprechend auf die digitalen Räume eingeschränkt. Der physische Raum, in dem ich mich gerne mit ihnen austausche, welcher auch ein Teil der Außenwelt ist, wandelt sich zur digitalen Form um, die ich bis jetzt nur als Raum für Informationen benutzt habe. Und dabei tragen Menschen ja für mich zur Schöpfung meiner Malerei bei... 


Über die Wichtigkeit der digitalen Welt und die damit verbundenen unzähligen Möglichkeiten und die abstrakte „Freiheit“ darin ist nichts einzuwenden. Ich höre hin und wieder, dass man durch dieses digitalisierte Leben heutzutage mehr Flexibilität und mehr „Freiheit“ gewinnt. Ich denke darüber nach, ich frage mich: so eine Freiheit geht meinem Freiheitsanspruch entlang oder führt dazu, dass ich mich häufiger in meine Innenwelt zurückzugehen bevorzuge und nach Außen einen gewissen geplanten äußeren Schein zum Vorschein bringe. Von dem Raum im wörtlichen Sinne bleibt eine Illusion und von der Wahrnehmung der Gefühle eine Oberfläche, mit der wir kommunizieren, eine Art Maske kann man sagen. Somit habe ich ein Bild im Kopf, das ich nicht „verorten“ kann, eine Erfahrung, die auf der abstrakten Ebene bleibt... Ich konzentriere mich auf diese Oberfläche und gleichzeitig sehe ich mein Bild während der digitalen Treffen. Was für eine Maskerade... Maskerade 2020…

Ich bin sogar der Meinung, dass jeder alltagsbedingt manchmal „Masken“ tragen soll/will/muss. Ich mag Masken durchaus: sie stehen für hoch interessante Ausdrucksweisen, seit Jahrzehnten. Selbst unsere Vorfahren haben sie getragen, um böse Kräfte zu besiegen. Sie sind Quellen der Inspiration. Sie besitzen äußerst spannende Ausdrucksformen. Als Künstlerin möchte ich die Maske entsprechend meines Konzeptes einsetzen können. Sollte diese eine „Überlebensmethode“ werden, kann ich dies nicht mehr genießen, weil es meine Freiheit beeinträchtigen wird. Weil ich dann selbst eine Maske werden würde, eine Maske die ich so oft trage, dass nur ihr Wesen und nicht das Erlebnis ihres Wesens selbstverständlich wird... Und ab einer bestimmten Zeit nicht mehr wahrnehmbar. 

Seltsam, diese Corona-Zeit war ein besonderes Theaterstück in meinem Leben mit Masken, die ich einerseits im digitalen Raum benutzt habe, um meine Innenwelt zu anderen Menschen öffnen zu können und mein soziales Leben möglichst aufrecht zuhalten, anderseits als Schutzmaske benötigte, um mich in physikalischen Räumen vor Menschen zu schützen.

Ich habe viel beobachtet, mich viel enttäuscht aber auch viel inspiriert gefühlt und viele fruchtbare Gedankenanstöße gehabt, die mir helfen, mein Leben als Mensch bewusster zu erleben und meinen Freiheitsanspruch als Künstlerin weiter zu genießen. 

Nun, denke ich: was bzw. wie ich mich an meine Erfahrungen in dieser Zeit erinnern werde, wird bestimmt etwas anders sein als bisher.

On the occasion of the Corona Intra Views, we offer three paintings by Sara Assadi via the gallery.

Inquiries please to Christian Kneisel (christian.kneisel@feinart-berlin.de / +49 157 38782854) or Maria Wirth (maria.wirth@feinart-berlin.de / +49 172 1642919).

Sara Assadi
Im Morgenmantel
Oil on canvas, 80 x 60cm, 2020
3000€

Sara Assadi
Warten
Oil on Canvas, 120 x 80cm, 2020
4000€

Sara Assadi
Eine Weile
Oil on canvas, 70 x 70cm, 2020
2400€


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