Corona Intra Views no.2: Ulrich Reimkasten

In dieser Situation, die durch die Corona-Pandemie entstanden ist, genieße ich die Entschleunigung - weniger Termine, mehr Zeit, wenig Lust zu nichts. Die kaum zu spürende aber doch allgemeine Verunsicherung tut ihre Wirkung. Was den Verkauf meiner Kunstwerke angeht, mache ich momentan Werbung über meine Homepage und die meines Institutes SEPIA sowie durch vermehrte Email-Sendungen. Meine derzeit laufende Ausstellung „Sans Terre“ in der Galerie NIQ’s Space, Berlin, wurde kurz nach der Eröffnung geschlossen und bisher ist noch nichts verkauft. Für die Zukunft sind weitere Ausstellungen geplant, als nächtes im Schloss Wallhausen in Sachsen-Anhalt, doch es ist gegenwärtig ungewiss, ob sie realisiert werden können. 

Die mediale Berichterstattung über die aktuelle Situation empfinde ich als stereotyp, vor allem kommen zu selten Bildende Künstler zu Wort.

Ich selbst arbeite momentan thematisch an einer neuen Figürlichkeit sowie an zwei architekturbezogenen Projekten. Strukturell und inhaltlich hat sich meine künstlerische Arbeit durch die Entwicklungen der letzten Zeit nicht verändert, jedoch mache ich mir durchaus konkrete Gedanken über das Danach, meine Arbeit betreffend.

Aus meiner Sicht sind Krisen immer auch Chancen und Chancen müssen genutzt werden. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass es Veränderungen geben wird und positive Entwicklungen sind prinzipiell möglich. Nach der Krise wird womöglich nichts mehr so sein, wie es davor war. Für das Danach wünsche ich den Musen, der Poesie und der Schönheit wieder mehr Beachtung. Für meine berufliche Arbeit hoffe ich natürlich weiterhin ausstellen zu können und meine begonnenen Kunstprojekte im öffentlichen Raum zu realisieren. Niemand kann vorhersagen, wie sich die Pandemie entwickeln und welche Folgen sie haben wird, und ich kann nicht wissen mit welchen Bedingungen ich konfrontiert sein und welche wirtschaftlichen Chancen ich dann haben werde. Meine künstlerische Tätigkeit werde ich sehr wahrscheinlich fortsetzen und diese wird nach überwundener Krise eine veränderte sein.

Im Kunstbetrieb – Galerien, Messen und öffentliche Ausstellungen - wird es wohl größere Veränderungen geben und die Auswirkungen der Corona-Krise werden auch vor dem Kunstleben nicht halt machen. Wir wissen längst, dass sich generell etwas ändern muss und wir wissen, dass niemand eine Vorstellung davon hat, wie das gehen soll. Niemand hat eine Konzept, vielleicht hat der Virus eines. Es ist gut möglich, dass sich sehr Vieles sehr grundsätzlich ändern wird und wenn es wirtschaftliche, politische und soziale Veränderungen geben sollte, wird es logischerweise auch kulturelle geben, also auch ein verändertes Kunstleben. Vielleicht nehmen die Künstler die Dinge wieder stärker selbst in die Hand, hoffentlich gibt es dann eine echte Kunstkritik. Die bereits stattgefundenen technologischen Entwicklungen drängen jedenfalls seit längerem zum Wandel. 

Für junge Künstlerinnen und Künstler sowie die Kunsthochschulen und -akademien wird die Corona-Krise eine Chance eröffnen, es besser zu machen. Dies ist DIE Gelegenheit für Kunsthochschulen und junge Künstler Dinge zu tun, die sie schon längst hätten beginnen sollen, weniger über Markt, mehr über Poesie und Schönheit, weniger über Originalität, mehr über Wahrhaftigkeit, Realität und Zusammenhänge nachdenken. Die Kunst wird sich ihren Platz neu erobern müssen, dabei wird sicher vieles in Frage gestellt werden, auch die Rolle und Bedeutung der Akademien, der Kunstpädagogik an Gymnasien, Schulen, Kindergärten, die Rolle der Lehre und des Lehrers, die gesellschaftliche Zielstellung und kunstpädagogische Ausrichtung. Konzepte sind zu hinterfragen, letztlich geht es um einen längst fälligen Paradigmenwechsel, um das Verhältnis von Materiellem und Geistigem, Technologie und Mensch, aber vorerst sollte es erst einmal darum gehen, dass die Kunsthochschulen ihre Arbeit machen können.


Halle an der Saale, 24.04.2020
Prof. em. Ulrich Reimkasten

On the occasion of the Corona Intra Views, we offer three paintings by Ulrich Reimkasten via the gallery.

Inquiries please to Christian Kneisel (christian.kneisel@feinart-berlin.de / +49 157 38782854) or Maria Wirth (maria.wirth@feinart-berlin.de / +49 172 1642919).

Ulrich Reimkasten - Babel II
oil on canvas, 160 x 110cm, 2008
8.000€

Ulrich Reimkasten - Doppler
oil on canvas, 135 x 220cm, 2013
10.500€

Ulrich Reimkasten - Das goldene Ei
oil on canvas, 95 x 105cm, 2019
6.000€

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