Corona Intra View no.14: Anne Hoenig

feinart berlin: Liebe Anne, wie geht es Dir jetzt?

Anne Hoenig: Es variiert von Tag zu Tag, eine Mischung aus Dankbarkeit, Entsetzen und Zufriedenheit in der Einsamkeit.

fb: Wie gestaltest/organisierst Du angesichts der pandemiebedingten Restriktonen Deinen beruflichen Alltag?

AH: Es hat sich nichts geändert. Ich habe die letzten 21 Jahre an demselben Ort gelebt und gearbeitet und war immer allein im Atelier.

fb: Erachtest Du den Lockdown im gesamten Kunstbetrieb als angemessen?

AH: Ich halte den Lockdown für alle nicht essentiellen Unternehmen für angemessen.


fb: Verbreitest Du Nachrichten über (neue) Werke zum Verkauf über die Ihnen zur Verfügung stehenden Netzwerke?

AH: Nein, ich benutze soziale Medien aus philosophischen Gründen nicht.

fb: Konnte der Verkauf von Kunstwerken aufgrund der "Kontakt- und Versammlungseinschränkungen" (noch) nicht realisiert werden?

AH: Das ist aufgrund meiner Arbeitsweise keine Überlegung.

fb: Wie beurteilst Du Medienberichte über die aktuelle Situation von KünstlerInnen?

AH: Die New York Times, die Washington Post und The Guardian, meine wichtigsten Informationsquellen, behandeln das Thema recht ausführlich, obwohl offensichtlich niemand vorgibt die Zukunft zu sehen. Aber die Situation war natürlich brutal, vor allem in Amerika, das grundsätzlich kein Sicherheitsnetz hat.

fb: Haben sich die Kommunikationen in Deinem KollegInnenkreis in den letzten Wochen verändert?
AH: Zoom Cocktailstunden mit London und New York. Überraschend unterhaltsam.

fb: Woran arbeitest Du derzeit?
AH: An einer Serie von Bleistiftzeichnungen für die nächste Gemäldeserie.


fb: Hat sich Deine künstlerische Arbeit aufgrund der jüngsten Entwicklungen inhaltlich und strukturell, in Intensität und Arbeit verändert?

AH: Ich habe eine neue Serie von Zeichnungen auf eng umschlossenen Umgebungen begonnen. Ich arbeitete viele Tage ziemlich fieberhaft und habe mir eine Sehnenentzündung in der rechten Hand zugezogen.


fb: Haben sich durch die Folgen des Corona-Ausbruchs wirtschafliche Rahmenbedingungen entscheidend verändert?

AH: Weltweit glaube ich, dass wir einen Abschwung erleben, der viel größer ist als 2008. Wenn sich dies mit Angst, dem tatsächlichen Hunger und, im Falle Amerikas, einer sehr realen Chance auf Gewalt verbindet, werden die Menschen sicher zunehmend zurückhaltend mit ihren Ausgaben sein.

fb: Genügen die derzeit bekannten staatlichen Beihilfen für KünstlerInnen?

AH: Meine Referenz sind nur zwei Freunde in Berlin. Sie erhielten ihre Schecks in 48 Stunden. Ich bin sehr beeindruckt angesichts des Chaos und der Hemmnisse, die wir anderswo sehen.


fb: Was hältst Du von der Idee, eine "Solidaritätsabgabe für Künstler" einzuführen?
AH: Unvorstellbar für einen Amerikaner.

fb: Wie siehst Du die (nähere) Zukunft?

AH: Ich war anfangs hoffnungsvoll, dass die Krise dem Klima helfen könnte, indem alle staatlichen Hilfsgelder an umweltfreundlichere Lösungen in der gesamten Industrie und bei der Schaffung von Arbeitsplätzen gebunden werden, aber es scheint, dass ich davon geträumt habe. Es ist unmöglich, nicht zu glauben, dass die Hoffnungslosigkeit immer noch auf dem Vormarsch ist.

fb: Wie wird sich Deine berufliche Situation in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln?

AH: Wenn meine Sehnen heilen, werde ich wie immer im Atelier arbeiten und, wenn es erlaubt ist, im Meer schwimmen.

fb: Wie beurteilst Du Deine Karrierechancen und Probleme nach dem Ende der Pandemie?

AH: Wir können nicht wissen, wie unsere Welt in naher Zukunft aussehen wird. Was wir durchleben, ist wirklich beispiellos. Sicherlich, das Virus war ein Crash-Kurs in Achtsamkeit und Vergegenwärtigung.


fb: Wie wird sich das Kunstgeschäft (Galerien, Messen, öffentliches Ausstellungswesen, staatliche Förderungen) in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln?

AH: Es wird Nostalgie über die persönliche Erfahrung mit Kunst geben. Ich glaube, dass es schwierig sein wird, sich digital zu reproduzieren, wenn man körperlich mit einer Arbeit und der sozialen Interaktion im Verkauf zu tun hat.

fb: Wird die aktuelle Krise zu einer nachhaltigen Veränderung des Kunstlebens führen?

AH: Ich denke, dass viele Künstler diese Zeiten und ihre Beschränkungen inspirierend finden. Diese Pause ermöglicht tiefe Reflexion und vielleicht auch Klarheit. Maler haben schon immer eine Pest geliebt.

fb: Welche Auswirkungen wird die derzeitige Situation auf junge Kollegen, Kunsthochschulen und Akademien haben?

AH: Ich glaube, dass es für niemanden einfach sein wird. Viele machen ihren Abschluss in einer Welt extrem begrenzter Möglichkeiten. Einige Hochschulen schließen schon und die Studenten zögerten, ihre Ausbildung im Herbst zu beginnen. In Amerika sehen wir bereits Konkurse von kleinen Colleges und Klagen von Studenten, die Rückerstattung bereits entrichteter Gebühren verlangen.

Anlässlich der Corona Intra Views bieten wir über die Galerie drei Gemälde von Anne Hoenig an.
Anfragen bitte an Christian Kneisel (christian.kneisel@feinart-berlin.de / +49 157 38782854) oder Maria Wirth (maria.wirth@feinart-berlin.de / +49 172 1642919).

Anne Hoenig
Yellow Lamp
Öl auf Leinwand, 125 x 97cm, 2008
Preis auf Anfrage

Anne Hoenig
Resting Sleepwalker
Öl auf Leinwand, 78 x 112cm, 2008
Preis auf Anfrage

Anne Hoenig
Back and Forth
Öl auf Leinwand, 122 x 84cm, 2013
Preis auf Anfrage


>> Zur Internetseite von Anne Hoenig