Corona Intra View no.11: Maria Wirth

Die Einschränkungen, die die Corona-Pandemie im öffentlichen Leben mit sich bringt, bedeutet für mich als Künstlerin, die sich zur Entwicklung von Motiven und Projektthemen gern auch von Zeit zu Zeit zurückzieht und sich in die Lektüre philosophischer und mythologischer Schriften vertieft, zugleich auch eine außergewöhnliche Nische im normalen Arbeitsprozess. Diese Phase des Innehaltens, der Reflektion in einem entspannten Zeit-Raum des Neudenkenkönnens kann ich sehr wertschätzen. Gleichzeitig meldet sich zunehmend häufiger bei mir die Vorfreude darauf, dass das öffentliche Leben mit Ausstellungen und Terminen wieder beginnt.

Es macht (zumindest in meinem Umfeld) den Anschein, als sei diese Zeit allen Menschen in ihrer je eigenen Weise ein Anlass zum Ordnen oder Umgestalten ihres bisherigen Lebensalltages: Selbstverständlichkeiten werden infrage gestellt, Routinen aufgebrochen, lang hinausgeschobene Aufgaben erledigt, längst fällige Fragen gestellt und bis dato nicht gewagte Antworten formuliert. 

Es ist eine Umbruchs- und Ausbruchszeit. Und gewiss ist dies auch eine Zeit, die Chancen für ein anderes Denken und Handhaben von gewissen Dingen aufzeigt, nicht zuletzt auch für die Kunstwelt. Für mich stellt sich zum Beispiel schon lange die Frage, ob unter Kunstschaffenden, Galerien und kulturellen Institutionen nicht eine viel stärkere Solidarität entstehen sollte – weg vom dominierenden Kalkül eines Geldmarktes und wieder mehr hin zu der Frage, worum es eigentlich geht, was auf dem Spiel steht, wenn man beruflich mit Kunst zu tun hat. Das ist für mich eine gesellschaftliche, politische und ethische Angelegenheit. Diese Überlegung steht auch im Zusammenhang mit der Frage nach der Rolle von Staat und Gesetz – was soll uns Kunst Wert sein in den Bereichen Bildung, Arbeit, soziale Sicherheit sowie nationale und internationale Identität?

Inhaltlich und konzeptuell empfinde ich diese Zeit als sehr inspirierend für meine künstlerische Arbeit – die Atmosphäre des gesichtslos Drohenden, Unbekannten, verkörpert im Corona-Virus, spiegelt Motive wider, die die Menschheitsgeschichte und damit auch die Kunst immer begleitet haben: die Allgegenwart des Todes, das tragische Schicksal, Ideen von der grundsätzlichen Fremdheit der Welt, das Böse, das Ungerechte, die Angst, aber auch die Kehrseite dieser Motive wie Liebe, Freundschaft, Geborgenheit und Freiheit spielen eine wichtigere Rolle. Vermutlich ist diese Atmosphäre für mich als Künstlerin gerade deshalb so inspirierend, da ich meine Arbeiten immer schon dialektisch angelegt habe und das unauflösbare Spannungsverhältnis suche. Dazwischen liegt die Wahrheit, die jeder und jede für sich nur selbst definieren und vertreten kann. Das gilt möglicherweise in der Kunst wie im Leben.

MW 05/2020

Anlässlich der Corona Intra Views bieten wir über die Galerie drei Gemälde von Maria Wirth an.
Anfragen bitte an Christian Kneisel (christian.kneisel@feinart-berlin.de / +49 157 38782854) oder Maria Wirth (maria.wirth@feinart-berlin.de / +49 172 1642919).

Maria Wirth
Geburt der ewigen Wiederkehr
Öl, Acryl und Blattwerk auf Leinwand, 155 x 120cm, 2017

4800€

Maria Wirth
Dove
Öl und Zeichenkohle auf Leinwand, 60 x 80cm, 2019

2500€

Maria Wirth
Augurin im Abendgewand
Öl und Zeichenkohle auf Leinwand, 130 x 90cm, 2018

3800€


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